Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 15. Januar 2013

Auf Zeitreise im St. Annen-Quartier

Das neue Museumsquartier empfängt seine Besucher multimedial

Anspannung im neuen Museumsquartier St. Annen: Handwerker geben sich kurz vor der Eröffnung des neuen Museen-Komplexes im Aegidienviertel die Türklinken in die  Hand. Die Vorbereitungen für das Catering im Museums-Café laufen auf Hochtouren und Kerstin Otte, die stellvertretende Leiterin des Kunst-Cafés und ihr 16-köpfiges Team, sind schon eine Woche vor der Eröffnung am Rotieren: „Wir rechnen beim Empfang am Sonnabend mit 500 geladenen Gästen“, sagt Otte. Von der Neukonzeption der Ausstellung - der Einheit aus sakraler Kunst, hanseatischer Lebenswelt und Moderner Kunst ist Kerstin Otte begeistert. „Diese Kombination ist schon etwas ganz Besonderes“, sagt die Lübeckerin. Medientechniker Martin Kenderesi hält ein Gerät, das er „Tondusche“ nennt in seinen Händen. Mit dem High-Tech-Gerät sollen die Abendmusiken des St. Marien-Organisten Dietrich Buxtehude hörbar prägnant in die Musikausstellung plätschern. Die Neukonzeption der Ausstellung in St. Annen findet der IT-Techniker „völlig anders als vorher.“ Und den mulitmedialen Zeitreisen-Raum, den die beiden Designer Wolfgang Mayer und Michael Haufe gestaltet haben, der bringe eine unerwartete Frische in das Museum.

Der multimediale Raum mit seinen flächig grau gestrichenen Wänden ist eine der neuen Attraktionen im Museumsquartier. Im ersten Obergeschoss des St. Annen-Museums gelegen, verbindet der Raum die sakrale Kunst im Erdgeschoss mit der Kunst der bürgerlichen Gesellschaft und der Modernen Kunst in der Kunsthalle. In dem neuen Raum können die Besucher ab dem 20. Januar mit überdimensionalen Touch-Tischen und Projektionsflächen hinter die Fassaden des Weltkulturerbes blicken und sich auf eine Entdeckungs-Zeitreise in die Vergangenheit und die Gegenwart Lübecks begeben. Mayer: „So ermöglichen wir den Blick hinter die schöne Backsteinfassade, direkt in die Wohnzimmer der lübschen Gesellschaft.“ Den multimedialen Raum bezeichnet der Hamburger Designer dann auch als Scharnier zwischen dem Gestern und dem Heute.

An diesem Ort können die Besucher auch den Greveraden Altar von Hans Memling mit einem Touch-Pad multimedial in allen Einzelheiten erforschen und sich anschließend den realen Altar  ansehen und ihn sinnlich wahrnehmen: „So können die Besucher die Aura des Originals spüren und erleben“, beschreibt Mayer die ganzheitliche Erfahrung, die die Besucher des Museums-Quartiers jetzt in St. Annen erwartet. Neben der virtuellen Zeitreise entführen über 1.000 Exponate auf fast 9.000 Quadratmetern Fläche den Museumsbesucher in die Welt Lübecks.

Die neu gestaltete Dauerausstellung zeigt anhand von 25 Räumen mit Originalmöbeln aus Altstadthäusern, wie die Lübecker einst gelebt und gearbeitet haben. Im Kontor des Weinhändlers Plessing (1705 bis 1773) kann der Gast beispielsweise nachvollziehen, wie die Kaufmänner am Stehpult kühl und damals schon internation kalkuliert haben.

Im sogenannten Rankenzimmer, umgeben von Wandmalereien aus dem späten 17. Jahrhundert, können neun verschiedenen Werke von Dietrich Buxtehude angehört werden.

Der Blick von der Besucherbank, er fällt dabei auf einen 2,70 Meter langen Großbasspommer. Buxtehude hat das Instrument 1682 einem reisenden Musiker abgekauft, um damit das Orchester seiner Abendmusiken zu verstärken. „Weltweit gibt es nur vier weitere historische Exemplare“, erklärt die kommissarische Leiterin des St. Annen-Museums, Dr. Bettina Zöller-Stock, die bis zur Eröffnung noch 1.000 hanseatische Exponate an ihren richtigen Platz steuert.

Kein einfaches Unterfangen: Probleme bereitet da zum Beispiel der Sternenglobus aus dem Katharineum. Das Kugelgeflecht aus Holz und Blech will nicht so ganz durch die neuen Brandschutztüren passen. Das ist nur eine von vielen Herausforderungen, die Zöller-Stock und ihr Team bis zur Eröffnung noch managen wollen.            Jel

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