Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 22. Januar 2013

Spektakuläre Funde am Hansemuseum

Die Archäologen haben eine rund 5000 Jahre alte Feuerstelle freigelegt

Ein Millionengrab wie etwa die Hamburger Elbphilharmonie oder der Berliner Flughafen soll das Europäische Hansemuseum in Lübeck nicht werden. Das zumindest unterstrich Possehl-Geschäftsführer Dr. Helmuth Pfeifer gegenüber den Medien bei der Übergabe des millionenschweren Förderbescheides durch Ministerpräsident Torsten Albig.

Dennoch lägen die geplanten Gesamtkosten in Höhe von 24 Millionen Euro (2008) mittlerweile bei 27 Millionen Euro und, so erklärte Possehl-Chefin Renate Menken: „Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“

Renate Menken resümierte die Planungsgeschichte für das Europäische Hansemuseum sagte beiläufig, dass mit dem Bau ein Stück „Stadtreparatur“ betrieben werde. „Die olle Schmuddelstelle sollte weg“, so Menken.

Schmuddelig ist es derzeit auch in der Baugrube. Überall wird gegraben. Auf dem etwas 600 Quadratmeter großen Gelände haben die Archäologen so spektakuläre Funde ans Tageslicht geholt, dass diese jetzt sogar planerisch in den Museumsbau integriert werden. So werde der Hansemuseums-Besucher über eine Hebebühne über Stege direkt in die Grabungsstätte gelangen - eine europaweite Einzigartigkeit, konstatierte Architekt Andreas Heller.

Grabungsleiter Marc Kühlborn hat mit seinem Team bei der Grabung bisher 15 Tonnen Scherben-Bruch aus dem Boden geholt. Der Archäologe schätzt, dass die Keramik aus dem
13. und 14. Jahrhundert stammt und schon vom Töpfer weggeworfen wurde, da es sich um Fehlbrände gehandelt habe. Nicht weniger faszinierend sei der Fund einer Feuerstelle, die zirka 4000 bis 5000 Jahre alt sei. „Das beweist Siedlungstätigkeiten auf dem Burghügel schon in der Jungsteinzeit“, erklärt Kühlborn. Der Fund eines Brunnens aus behauenen Granitblöcken, der gibt Rätsel auf: „Woher kommen die Steine? Wollten die Konstrukteure damit kostengünstig bauen? Oder wurden der Granit gestiftet?“ All das sei Spekulation. Sicher jedoch sei, dass der Brunnen aus dem 17. oder 18. Jahrhundert stamme. „Wir kennen keine vergleichbaren Konstruktion im Ostseeraum“, so Kühlborn.

Wenn der Boden es wieder zulässt, dann wollen die Archäologen noch weiter in die Tiefe gehen. Derzeit bewege sich die Grabung auf einem Niveau von 3 Metern über Normalnull. 2 weitere Meter solle es jetzt noch nach Unten gehen. Kühlborn ist sich sicher dort nochmals fündig zu werden.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig zeigte sich von der Großbaustelle beeindruckt. Der touristischen Perlenkette Lübecks werde mit dem Europäischen Hansemuseum eine weitere große Perle hinzugefügt. Durch das Museum entstünden neue Arbeitsplätze und Lübeck werde noch attraktiver für seine Gäste, so Albig weiter. „Mit diesem hochmodernen Museum stärkt Lübeck seine Stellung. Es gewinnt weiter an Bedeutung als Kulturhochburg und als Königin der Hanse.“          Jel

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