Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 22. Januar 2013

„Wir werden einfach abgeschnitten!“

Reecker entsetzt: Die Travebrücke soll aus Kostengründen abgerissen werden

Riesen-Aufregung in Reecke: Seit 100 Jahren gibt es eine Querung über die Trave zwischen dem Dörfchen Reecke und Hamberge: Erst eine Fähre, ab 1953 eine Brücke. Das Bauwerk aus Spannbeton ist schon lange ein Sanierungsfall und weil die Brücke jetzt nach Angaben der Hansestadt Lübeck so marode ist, dass der Beton Kanuten auf den Kopf bröckeln könnte, wird Brücke Ende Januar gesperrt. Kurzfristig sei der Abriss zu empfehlen, teilt der Fachbereich Stadtgrün und Verkehr mit.

Bei Hamberges Bürgermeister Paul Friedrich Beeck (65) laufen die Telefondrähte heiß: „Die Bürger sind völlig aufgeregt“, sagt Beeck. Für Reecke und Hamberge sei der geplante Abriss eine „Katastrophe“. Beeck: „Hier werden Bindungen gekappt, die über 100 Jahre zwischen Reecke und Hamberge gewachsen sind.“

Betroffen seien auch Reeckes Rentner und Kinder, die den 1,5 Kilometer langen Weg Richtung Bushaltestelle in Hamberge nutzten. Autofahrer könnten nach der Sperrung nur noch über Lübeck-Niendorf und Moisling Richtung City fahren. Sie müssten zirka zehn Kilomter lange Umwege in Kauf nehmen, so Beeck.

Harald Utesch aus Reecke koordiniert den Protest in Reecke. Der Landwirt bringt die Befindlichkeiten im Ort auf den Punkt: „Wir werden einfach abgeschnitten.“

Und weil die Reecker und Hamberger die Brücke über die Trave behalten wollen, schieben die Reecker jetzt eine Petition an: „Wir wollen, dass sich die Bürgerschaft mit der Brücke auseinandersetzt“, sagt Kai Neumann aus Reecke. Der Anwohner versteht nicht, warum die Stadt nicht schon 2008/2009 Schäden an der Brücke behoben habe. Laut Brückenbericht 2008 lägen die geschätzten Kosten für eine Reparatur bei 280.000 Euro. Für den Haushalt 2006 seien 100.000 Euro dafür eingestellt worden. Neumann hat den Eindruck, dass die Stadt die Reparatur der Travebrücke „verschleppt“ habe.

Das sieht Dr. Stefan Klotz, Bereichsleiter Verkehr, anders: „Die Maßnahme ist haushalterisch von Verwaltung und Politik geschoben worden“, erklärt Dr. Klotz auf Anfrage. Die Brücke müsse abgerissen werden, weil Gefahr im Verzug sei und ein unangekündigtes Totalversagen nicht ausgeschlossen werden könne, so Dr. Klotz weiter.

Lübecks Pressesprecher Marc Langentepe erklärt das Abriss-Vorhaben mit finanzpolitischen Entscheidungen: „Die Hansestadt Lübeck ist finanziell nicht in der Lage einen zwei Millionen Euro teuren Brückenneubau zu finanzieren, wenn an anderer Stelle dringend Schulen saniert werden müssen.“ Nach Angaben der Hansestadt Lübeck wurde die Brücke über die Trave 1953 gebaut. Damals sei „spannungsriss-korrosionsgefährdender Stahl“ verwendet worden. In den vergangenen Jahren habe sich die Bausubstanz verschlechtert. Materialuntersuchungen hätten ergeben, dass Hüllrohre nicht vollständig mit Beton verpresst worden seien. Untersuchungen hätten ergeben, dass die Brücke vor einem Totalschaden keinerlei sichtbare Risse aufweise. Wegen der hohen Kosten für einen Neubau und der Gefahr, die von dem Bauwerk auch für Fußgänger und Radfahrer ausgehe, befürworte die Stadt den Abriss.       Jel

 

Das sagen Reecker und Hamberger zur geplanten Abriss

Paul Friedrich Beeck
„Reecker Landwirte haben Land in Hamberge – Hamberger Landwirte Acker in Reecke. Wenn die Brücke ab-gerissen wird, müssen die Bürger Umwege fahren. Die Bushaltestelle an der B 75 ist dann abgeschnitten.“

 Regina Stemmler
„Wie sollen die Kinder zur Schule kommen, wenn die Brücke nicht mehr da ist? 
Meine beiden Kinder fahren täglich mit dem Fahrrad über die Brücke zur Schule und zu ihren Freunden.“

Heinz Klemke
„Unsere Gärtnerei ist seit 1921 in Reecke. Wenn die Brücke abgerissen wird, kommen Kunden und Lieferanten nicht mehr über die B 75 nach Reecke. Privatkunden werden keine Umwege fahren.“ 

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