Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ausgabe vom 05. Februar 2013

Reecker warten auf Geld aus Kiel

Verwaltung arbeitet an Brückenlösung und öffnet Anbindung für 7,5-Tonner

Trillerpfeifen-Konzert vor der Lübecker Bürgerschaft. Cordula Andjelic-Neumann, Sprecherin der Bürgerinitiative Reecker Brücke, heizte den Demonstranten ein. „Reecker Brücke – No go“, skandierten Landwirte, Kinder und empörte Einwohner der Umlandgemeinden immer wieder. „Brücke muss bleiben“ stand auf den Schildern oder „Reecke ohne Brücke ist wie Opa ohne Krücke“. Galgenhumor mit lebensechter Vogelscheuche und Kindern, die eine feste Travequerung aus Steinen auf ein Transparent gemalt haben.

Bittere Mine auch bei Ursula Mührer. Die 71-Jährige Reecker-in blies angesäuert in ihre Trillerpfeife: „Man behandelt uns wie unmündige Bürger. Wir sind mit der Sperrung vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Das ist unanständig“, sagte die Seniorin.

Der Erdbeerbauer aus Hamberge André Fennert hat seine Früchte auf Reecker Boden. Fenner sieht durch die Sperrung der Brücke 40.000 Euro zusätzlich bei seinen Erntekosten auf den Betrieb zukommen. Der Landwirt fordert eine sofortige Lösung, eine Behelfsbrücke, die
7,5 Tonnen zulasse und den Neubau einer Brücke über die Trave.

Aufgebracht ging es in die Bürgerschaft. Viele Reecker verfolgten mehere Stunden, wie die Kommunalpolitiker über Wildtierverbote, Ehrenbürger und Bahnverbindungen dabattierten. Cordula Andjelic-Neumann und Gärntermeister Heinz Klemke (58) fragten Bausenator Boden, warum die Stadt die Sanierung der Brücke nicht 2008 durchgeführt habe. „Welche Möglichkeit sehen sie kurzfristig auf die Entscheidung Einfluss zu nehmen?“, wollten die Reecker wissen.

Bausenator Boden erwiderte: „Auf Grund der ablehnenden Förderbescheide ist entschieden worden die Investitionsmaßnahme zurückzustellen.“ Kurzfristig werde jetzt geprüft, ob nicht doch eine Förderfähigkeit von Seiten des Landes gegeben sei.

Heinz Klemke wollte wissen,warum die Reecker Brücke von der Verwaltung als bedeutungslos eingestuft worden ist. Boden stellte klar, dass die Brücke nicht als bedeutungslos eingestuft worden sei. „Wir haben sie nur lediglich geringer eingestuft gemessen an der Belastung dieser Brücke.“ Mit 11.000 Fahrzeugen am Tag sei die Brücke verglichen mit anderen Brücken in der Stadt von untergeordneter Bedeutung.

Was die Erreichbarkeit Reeckes über den Billerbäckweg oder den Brockweg anbelangt, so versprach Lübecks Bausenator die 7,5 Tonnen-Beschränkung bis zur weiteren Klärung für Anlieger aufzuheben.

Für Heinz Klemke ist das erstmal eine gute Nachricht. Musste der Gärtner doch in der vergangenen Woche seine Schnittblumen aus Holland in Reinfeld auf kleinere Transporter umladen, um den mit 7,5 Tonnen-Zulassung limitierten Weg nach Reecke befahren zu können.

Zufrieden waren die Ree-cker nicht mit dem Ergebnis der Bürgerschaftssitzung. Landwirt Harald Utesch: „Das ist ungenügend. Wenn kein Geld aus Kiel kommt, sind wir tot. Lübeck hat keinen B-Plan in der Tasche.“             Jel

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