Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 12. Februar 2013

Grüne Karte gegen Grünstrandbebauung

Travemünder stimmten für den Erhalt des Grünstrandes an der Kaiserallee

Heftiger Gegenwind für die geplante Grünstrandbebauung: Rund 1500 Travermünder haben in einer hochemotional geführten Einwohnerversammlung im Maritim, gegen die Bebauung des Grünstrandes gestimmt.

Dabei war die Stimmung in dem voll besetzten Saal anfangs noch heiter und Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe zeigte sich „überwältigt“ von der Beteiligung. Saxe erntete mit der Reduzierung der Tagesordnung auf einen Punkt - den Grünstrand - Applaus bei den Travemündern.

Die beiden Projektentwickler von Imetas und Primus, Heiner Kropp und Achim Nagel, stellten ihre Vision für die touristische Weiterentwicklung Travemündes als Seglerhochburg vor. Sie  präsentierten einen Mix aus Hotel- und Appartementbebauung mit Segelcampus, Yachthafen und Seebistro.

Lübecks Wirtschaftssenator Sven Schindler bezeichnete Travemündes Promenade als die schönste Flaniermeile zwischen Flensburg und Danzig. Schindler  warnte vor Stillstand im Seebad: „Wir können unsere Klasse im Wettbewerb der Seebäder halten.Tun wir das nicht, steigen wir in die zweite Liga ab.“

Für die an Tourismuszielen  ausgerichtete Argumentation hatten die Travemünder in ihrer Einwohnerversammlung offensichtlich wenig übrig.

Buh-Rufe und Gelächter begleitete die fast einstündige Präsentation des Grünstrand-Konzeptes. Projektentwickler Heiner Kropp und Achim Nagel warben vergebens für Synergien aus Segelcampus-Möwenstein, Hotel- und Appartementbebauung und Yachthafen.

Statt mit Fragen, überhäuften die aufgebrachten Travemünder Investoren und Politiker mit Statements. An die von Stadtpräsidentin Schopenhauer ausgegebene Redezeit von Drei Minuten hielt sich dabei kaum ein Travemünder: „Sie versuchen uns hier ihre Wohnungsverkaufsstrategie als Segelschule mit angeschlossenem Hotel zu verkaufen“, sagte ein aufgebrachter Bürger.

Jürgen Schlichting kritisierte: „Unser Freistrand soll uns weggenommen werden?“ Dabei sei es jetzt schon so eng an Travemündes Kurstrand, dass die Leute dort wie in einer Fischdose lägen, sagte Schlichting weiter.

Wolfgang Buschulte monierte:  „Was Sie da vorhaben, hat nichts mit Jugendarbeit zu tun, sondern mit dem Bau von Zweitwohnungen.“ Und Jörg Fouquet witterte in dem geplanten Bau eines Yachthafens am Grünstrand sogar den Ausbau des Travemünder Fährhafens: „Mit dem Segelcampus wird so getan, als wäre es die Lösung aller Probleme des Tourismus von Travemünde, dabei ist das der erste Schritt zur Zweischiffigkeit in der Trave“, meinte Fouquet.

Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe entgegnete energisch und von Buh-Rufen begleitet: „Gelegentlich habe ich den Eindruck, man muss sich in Travemünde entschuldigen, wenn man den Tourismus weiterentwickeln will.“

Applaus erhielt die Leiterin des Amtes für Umweltschutz, Birgit Hartmann, die mit ihrer Präsentation möglicher Natur- und Umweltrisiken durch den Bau der Marina die emotionsgepeitschte Debatte in ruhigeres Fahrwasser steuerte. Hartmanns Fazit: „Ohne weitergehende Untersuchung ist nicht absehbar, ob sich das Projekt umwelt- und naturverträglich realisieren lässt.“

Gegen 21 Uhr stimmten die Travemünder jubelnd und mit erhobenen grünen Karten gegen das von Imetas und Primus vorgeschlagene Bebauungskonzept des Grünstrandes.

Die letzte Entscheidung, so Saxe, treffe die Bürgerschaft im März. „Dabei wollen die meisten Fraktionen an die Empfehlung heute abend halten“, sagte Saxe weiter.

Den beiden Projektentwicklern entglitten während der hitzigen Debatte bisweilen die Gesichtszüge. Der Ton sei völlig daneben, sagte Achim Nagel. Heiner Kropp bilanzierte nach der Abstimmung: „Das war eine Klatsche für das Projekt. Mit soviel Gegenwind haben wir nicht gerechnet.“ Jel

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