Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 19. Februar 2013

Neue Kita soll Buntekuhs Mitte aufwerten

Stadt plant Familienzentrum - Anwohner kritisieren Standortwahl

Buntekuhs Mitte erhält ein Familienzentrum mit Kita. Die Entwürfe für den Neubau haben Stadtplaner jetzt beim Buntekuh-Forum vor rund 80 Anwohnern präsentiert. Laut Stadtplaner Achim Selk soll die von Stadt und Sprungtuch e.V. geplante Einrichtung die Stadtteilmitte von Buntekuh aufwerten und die Versorgungsquote mit Kita- und Krippenplätzen verbessern.

Nach Angaben von Jugendhilfeplanerin Renate Heidig liegt die Versorgungsquote mit Kitaplätzen stadtweit bei den 3 bis 6,5-Jährigen bei 85 Prozent. In Buntekuh sind es lediglich 76 Prozent. Ebenso sieht es im Krippenbereich aus. Hier liegt die Versorgungsquote durchschnittlich bei 29 Prozent in Buntekuh bei 18 Prozent.

Der freie Jugendhilfeträger Sprungtuch e.V. und die Stadt wollen auf der Fläche des Marktplatzes an der Korvettenstraße ein zweigeschossiges Familienzentrum mit 70 Plätzen bauen.

Laut Sprungtuch-Geschäftsführerin Inga Gilsing sollen dort Kinder in fünf Gruppen betreut werden. Vorgesehen sei auch eine bilinguale, also eine zweisprachige Gruppe, in der 1- bis 3-Jährige  Deutsch und Türkisch lernen. „Unser Ziel ist es, in Buntekuh einen Schwerpunkt auf Sprache und Sprachförderung zu setzen und die Einrichtung für den Stadtteil zu öffnen“, sagt Sprungtuch-Geschäftsführerin Inga Gilsing.

Die Baukosten in Höhe von
3 Millionen Euro sollen durch Spenden, Eigenkapital und Fördergelder finanziert werden.

Während die Stadt mit dem Neubau Buntekuhs Stadtmitte aufwerten und die Ansiedelung von Spielhallen in leerstehenden Räumen des Einkaufszentrums verhindern will, befürchten einige Anwohner jetzt das Aus für den Wochenmarkt. „Der Marktplatz von Buntekuh steht zur Disposition. Es wird keine Freifläche für mehr für Buntekuh-Veranstaltungen geben“, wetterte ein Anwohner bei der Versammlung im Blockhaus des SC Buntekuh gegen die Entwürfe des Bebauungsplanes, die noch bis Ende März im Foyer der Bauverwaltung angeshen und kommentiert werden können.

Und auch Torsten Tess, Sprecher der Interessengemeinschaft Pinassenweg, die über 200 Unterschriften gegen den Kita-Bau auf dem Markt gesammelt hat, hat Bedenken: „Wir sind nicht gegen das Familienzentrum . Wir möchten den traditionellen Markt an Ort und Stelle erhalten“, so Tess.

Nach Angaben von Stadtplaner Achim Selk sollen die Marktstände in die Fläche für das Neubauvorhaben integriert werden. Vier Stellplätze für Marktbeschicker seien auf rund 200 Quadratmetern zwischen dem Familienzentrum und der Korvettenstraße vorgesehen.

Zusätzlich könnten die Marktbeschicker die Sanitäranlagen im Familienzentrum nutzen und es würden in dem Gebäude Wasser- und Stromanschlüsse für die Marktbeschicker installiert. „Aktuell prüft die Stadt einen temporären Alternativstandort für die Marktbeschicker, während der Bauphase“, erklärt Stadtsprecher Marc Langentepe.

Im Zuge der Neugestaltung von Buntekuhs neuer Mitte soll auch ein Teil der Korvettenstraße verschönert werden. Verkehrsplaner Peter Brandt erklärte im Rahmen des Forums, dass das Familienzentrum eine eigene Zufahrt, drei Kurzparkplätze und Grünstreifen erhalte. Sechs Bäume sollen die Korvettenstraße im Bereich des Familienzentrums begrenzen. Die Busbucht, jenseits des Einkaufszentrums, werde nach Westen verlegt und in eine einfache Haltestelle umgewandelt. „Der Bus hält dann auf der Fahrbahn“, so Brandt weiter.

Zeitweilig verlief die Debatte im Blockhaus hitzig. Vor allem die Anwohner des Pinassenweges befürchten Wertminderungen an ihren Immobilien durch den geplanten Neubau. Unverständlich für die Mitglieder der IG Pinassenweg ist auch, warum das Familienzentrum nicht an anderer Stelle gebaut wird.

Stadtplaner Selk erklärte dazu, dass seit 2010 sechs andere Standorte geprüft worden seien, darunter auch die Fläche des ehemaligen Pinassenhochhauses, ein Baufeld im Grünzug Wiesental und das Haus Sellschopp. Für die Marktfläche habe die zentrale Lage und die Erschließungsmöglichkeiten gesprochen, so Selk. Lübecks Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer, die die Präsentation der Bebauungspläne ebenfalls verfolgte, äußerte sich betroffen über das emotional geladene Gesprächsklima im Blockhaus: „Könnte es nicht sein, dass das Familienzentrum doch eine Aufwertung für den Stadtteil bedeutet?“,  fragte Schopenhauer.  Jel

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