Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ausgabe vom 05. März 2013

Punkschulleiter: Bandbreite wird größer

Isecke-Vogelsang spricht über die Umwandlung der Gotthard-Kühl-Schule

Matthias Isecke-Vogelsang ist Schulleiter der Gotthard-Kühl-Schule in St. Lorenz-Nord. Seine Regionalschule ist ab 1. August Gemeinschaftsschule. Isecke-Vogelsang erklärt im Interview mit der Stadtzeitung, welche Vorteile die neue Schulform aus seiner Sicht hat.

Warum ist es so wichtig, Gemeinschaftsschule zu werden?

Weil alle Kinder aus den 4. Klassen aufgenommen werden können. Auch die gymnasial empfohlenen Kinder. Das war bei einer Regionalschule bisher nicht möglich. Für die Eltern bedeutet das eine Aufwertung der Schule.

Was bekommen Sie jetzt wirklich mehr an Ressourcen?

Wir werden Gymnasiallehrer bekommen. Das bereichert die Schule und erweitert die Bandbreite. Wir starten im August mit drei Klassen. Wenn wir dazu drei neue Kollegen bekämen, dann wäre das ein guter Start.

Und was kommt noch?

Wir bekommen direktere Drähte zum Sekundarstufen-II-Bereich, das heißt Kooperationen mit anderen Schulen, Gymnasien oder Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe. Alleine vom Standort her, würde es sich anbieten beispielsweise mit dem Carl-Jakob-Burkhard-Gymnasium oder aber mit der Baltic-Schule zusammenzuarbeiten. Aber das muss alles erst noch geklärt werden.

Bekommen Sie räumliche Engpässe bei steigenden Schülerzahlen?

Wir haben steigende Schülerzahlen - dennoch ist der Schulträger nicht in der Lage Anbauten durchzuführen. Das bedeutet für uns Klassen in der Strakerjahnschule zu nutzen. Auf diese Räumlichkeiten werden wir auch weiterhin zurückgreifen müssen.

Mit wie viel Schülern starten Sie ab August in die Gemeinschaftsschule?

Wir starten mit drei 5. Klassen, das sind etwa 70 Kinder.

Was hat das hier praktizierte gemeinsame Lernen mit der Gemeinschaftsschule zu tun? Lernen in Gruppen, das gibt es ja auch an vielen Regionalschulen?

Früher wurden die Kinder nach den 4. Klassen strikt getrennt, in Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Das passiert nicht mehr. Entweder Gymnasium oder Gemeinschaftsschule. Pädagogisch und unterrichtlich wird das fortgesetzt, was in Grundschulen schon immer erfolgreich gemacht wurde, nämlich gemeinsames Lernen. Wenn Kinder gemeinsam lernen, lernen sie voneinander. Leistungsschwächere Kinder sehen, was auch noch möglich ist. Leistungsstärke Kinder hingegen, können schwächeren Kindern helfen. In der Regionalschule fehlen aber die leistungsstärksten Kinder, weil die gymnasial empfohlene Kinder bisher nicht aufgenommen werden durften. Durch die Gemeinschaftsschule wird hier die Bandbreite größer - das ist auch eine anspruchsvolle Aufgabe für die Lehrkräfte.

Anspruchsvoll oder überfordernd?

Anspruchvoll. Überfordernd deswegen nicht, weil in der Grundschule dieselben Unterrichtsprinzipien stattfinden. Trotzdem ist ein notwendiges Angebot an Fortbildungen durch das Land notwendig.

Wie werden sich andere Schulstandorte in Lübeck entwickeln?

In Lübeck wird es im Vergleich zum Land nach allen Prognosen keinen signifikanten Rückgang bei den Schülerzahlen geben. Schwierig ist dennoch, das die Standorte bei den Anmeldungen unterschiedlich ausgewählt werden. Ein Beispiel dafür ist die Schule in Moisling. Hier wird sich zeigen, welche Ausgleiche künftig innnerhalb der Stadt hergestellt werden können.

Letzte Frage: Was haben Punksein und Gemeinschaftsschule gemein?

In einer Gemeinschaftsschule müssen die Toleranzen viel größer sein, um miteinander umzugehen. Hier muss sich die Gymnasialkollegin mit dem Hauptschüler beschäftigen und umgekehrt. Auch gesamtgesellschaftlich ist das multikulturelle Element hier viel größer. Gemeinschaftsschule hat mit Punksein insofern was zu tun, dass es mehr Freiräume gibt. Im Gegensatz zum gegliederten Schulsystem, können sich Schüler über die Hauptschulprüfung hinaus noch entschließen, welchen Weg sie weitergehen, ob sie den Realschulabschluss hier, oder eine Kooperationsmöglichkeit mit einer anderen Schule wählen. An dieser Stelle übertrage ich an Jugendliche und Eltern Mitbestimmung und Selbstbestimmung. Diese Eigenautonomie ist auch ein Wesenszug von Punk.       Jel

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