Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 05. März 2013

1. Nachbarschaftspreis geht nach Berlin

Sozialministerin Kristin Alheit zeichnete auch Lübecker Bielefeld-Gärten aus

Der erste Lübecker Nachbarschaftspreis des ePunkts - das Lübecker Bürgerkraftwerk geht an den Senioren-Computer-Club Berlin-Mitte und die Design Research Labs der Universität der Künste.

Die Preisträger erhielten im Beisein von Schleswig-Holsteins Sozialministerin Kristin Alheit, Lübecks Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer und ePunkt-Chef Dr. Peter Delius den mit 2.500 Euro dotieren Preis für das Projekt „Vernetzte Nachbarschaft“ auf der Fischerinsel in Berlin.

Im Rahmen einer rund zweistündigen Mini-Gala im Audienzsaal des Lübecker Rathauses sprach die Kieler Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Tine Stein über „Nachbarschaft in Zeiten der Globalisierung“. Statt die Folgen der Globalisierung in lokalen Nachbarschaftsverhältnissen aufzuzeigen, hob Stein das Nachbarschaftsthema auf die transnationale Ebene.

Unter anderem entwarf die Politikwissenschaftlerin anhand von Mikrokrediten für Sozialunternehmer, neue nachbarschaftliche Möglichkeitshorizonte für die Weltbürger im globalen Dorf. Der intellektuelle Ausflug ins Globale gefiel auch dem Vorsitzenden der Gemeinnützigen Titus Held: „Die Idee Sozialunternehmer durch Stipendien zu fördern ist mir neu“, so Titus Held am Rande Feier.

Die Vorsitzende des Senioren-Computer-Clubs Berlin-Mitte Karola Krause und die beiden Doktoranden des Design Research Labs der Universität der Künste Jennifer Schubert und Andreas Unteidig erhielten den ersten Lübecker Nachbarschaftspreis für ihr Projekt „Vernetzte Nachbarschaft“ auf der Fischerinsel.

In dem ehemaligen Ost-Kiez der Hauptstadt leben 257 Mietparteien in 7 zwanzigstöckigen Hochhäusern. 35 Prozent der Anwohner sind dort älter als 65 Jahre. Die Problemlagen im Quartier sind vielfältig. Nach Angaben der Doktoranden lassen sich Probleme wie Isolation, mangelnder Austausch und Generationenkonflikte vor allem auf die unzureichende Kommunikation zurückführen. Dieser Problemlage geht Projekt „Vernetzte Nachbarschaft“ partizipativ an, indem Bewohner in die Lage versetzt werden, ihre Probleme im Quartier zu benennen und  gemeinsam Handlungsansätze zu entwerfen.Hierbei spielen analoge wie digitale Zugänge eine wichtige Rolle: „Wir entwickeln Zugänge zu sozialen Netzwerken - ohne dass man ein digital nativer, also ein digitaler Eingeborener, sein muss“, umreißt Doktorand Andreas Unteidig das Projekt, das Informationen über den Berliner Kiez in allen möglichen Medien parallel zur Verfügung stellen will und dafür auch ein Briefkasten mit eingebautem ditalen Scanner entworfen hat. Der zweite Preis in Höhe von 1.500 Euro geht an Lübecks Interkulturelle Bielefeld-Gärten. Die Kooperationspartner Sprungtuch, Haus der Kulturen, Kleingärtnerverein Buntekuh und Gartenfreunde bewirtschaften seit 2012 gemeinsam vier zusammenhängende Parzellen und schaffen so Begegnungs- und Teilhabemöglichkeiten für unterschiedliche Kulturen. 2013 plane die nach dem Lübecker Alwin Bielefeld benannte Initiative den Bau eines Gemeinschaftshauses, so Sprungtuch-Mitarbeiterin Elisa Brügmann (27). Der dritte Platz, dotiert mit 1.000 Euro, geht ebenfalls an ein Berliner Projekt. Das Institut für Sozialwissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin hat unter der Leitung von Prof. Dr. Talja Blokland Berliner Bürger interviewt. Unter dem Label „Resourceful Cities“ soll ein Sammelband mit einem Plädoyer für die Stärkung sozialer Infrastruktur entstehen. Lübecks ePunkt-Leiter Dr. Peter Delius bezeichnete Nachbarschaft als ein flüchtiges Phänomen. Böse Nachbarn gebe es überall. Die Basis gelingender Beziehungen sei jedoch eine leichte, Vertrauen schaffende Kommunikation. 2015 soll der nächste Nachbarschaftspreis ausgelobt werden. Die Moderatorin der Feier, Sigrid Fischer, betonte: „Der Nachbarschaftspreis ist keine Eintagsfliege.“       Jel

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