Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 11. Dezember 2017

Ausgabe vom 12. März 2013

Online-Datenbank des Stadtarchivs wächst

Aktenbestände zu Geschäfts- und Firmenarchiven sowie Schulbehörden

Die Online-Datenbank des Stadtarchivs ist jetzt noch umfangreicher: Denn weitere Aktenbestände zu Geschäfts- und Firmenarchiven sowie Schulbehörden sind nun online recherchierbar. Sie stehen auf der Seite http://www.stadtarchiv-luebeck.findbuch.net. Einer von ihnen ist der etwa 20 Regalmeter umfassende Bestand der Oberschulbehörde. Die Oberschulbehörde wurde 1865 als „Ober-Schulcollegium“ gegründet. Ihm oblag ab 1866 die Leitung und Beaufsichtigung des Unterrichts- und Erziehungswesens des Staates Lübeck. Die 1886 an seine Stelle tretende Oberschulbehörde übernahm die Aufgaben der Schuldeputation für das Katharineum sowie der übergeordneten Behörde für die höhere Bürgerschule, die Gewerbeschule, die Schulen in der Stadt und in den Vorstädten. 1933 wurde infolge der Gleichschaltungspolitik der Nationalsozialisten die Kultusverwaltung geschaffen, welche die Aufgaben der Oberschulbehörde übernahm. Der ergiebige Aktenbestand beinhaltet auch die Unterlagen der Vorgängerbehörde, des „Schulkollegiums für die Mittel- und niederen Schule“ seit 1810. Er enthält eine lückenlose Protokollserie der Behörde von 1810 bis 1933, Verzeichnisse der Lehrkräfte an Lübecker Schulen seit 1863 und gibt umfassend Auskunft über die Organisation des Lübeckischen Unterrichtswesens dieser Zeit. Sicherlich von großem Nutzerinteresse ist die Widerspiegelung der Zeit des Nationalsozialismus in den Akten und der Einfluss der NSDAP und ihrer Ideologie auf die Lübecker Schulverhältnisse. Neben ausführlichem Material über die Höheren Schulen, insbesondere das Katharineum, die Mittleren und die Volksschulen sind es auch die Auskünfte über die vielfältigen Lübecker Privatschulen und die kleinen Landschulen, welche die Neugier der Leser wecken werden. Ebenso informiert der Bestand ausführlich über die berufsbildenden Schulen jener Zeit, u.a. die Gewerbeschule. In die Zuständigkeit der Behörde fielen neben dem Erziehungswesen auch kulturelle Bereiche der Hansestadt, so findet sich hier Material betreffend das Musikwesen der Stadt und der Stadtbibliothek, so dass eine Einsichtnahme in diesen Bestand in jedem Falle lohnenswert ist.

Bei dem zweiten nun zur Recherche frei geschalteten Bestand handelt es sich um die Geschäfts- und Firmenarchive. Archivalien privatwirtschaftlicher Unternehmen bilden eine wichtige Ergänzung zum städtischen Schriftgut. Sie zeigen die historische Entwicklung aus privatwirtschaftlicher Sicht auf. Die älteren Geschäftsarchive (größtenteils Handlungsbücher von Kaufleuten) wurden mehr oder weniger zufällig zusammen getragen, neuere Aktenablieferungen verdankt das Archiv häufig dem Geschichtsbewusstsein einzelner Personen. Viele dieser Unterlagen wären ohne das individuelle Engagement nicht erhalten geblieben. Da auf privates Schriftgut kein Rechtsanspruch besteht und das Schriftgut der Privatwirtschaft nur mit deren Einvernehmen übernommen werden kann, bedarf es eben dieses Engagements, dieser Verbundenheit der Bürger mit ihrer Stadt und Geschichte und der Überzeugungsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit des Archivars. So konnten in den vergangenen Jahren die Geschäfts- und Firmenarchive um wertvolle Bestände erweitert werden: Beispielsweise der Bestand des Möbel-Hauses Reese (1904 in Lübeck gegründet von Theodor Reese), der Firma Villeroy & Boch, Standort Dänischburg (1906 Gründung des Dänischburger Werkes zur Fliesen-, Sanitär- und Geschirrherstellung) oder der Schiffsmakler Larsen & Stoss (1898 gegründet).

Ein Anlass zur Abgabe der Unterlagen ist vielfach die Aufgabe der Unternehmen; für die Unternehmer selbst ist es tröstlich, dass so zumindest die Geschichte ihrer Firma nicht in Vergessenheit gerät. Diese Unterlagen ergänzen übrigens in herausragender Weise den im vergangenen Jahr bearbeiteten und zur Nutzung freigegebenen Bestand der städtischen Behörde „Wirtschaft, Verkehr und Hafen 1924 bis 2000“. Somit sind den Forschungen zur Lübecker Wirtschaftsgeschichte weitere umfangreiche Möglichkeiten gegeben. Das Archiv der Hansestadt Lübeck freut sich auf interessierte Nachfrage und rege Benutzung.

Hinweis: Fotos vom Reparaturwerk A. Hagelstein; des Kassenbuches eines Buchbindermeisters (1792 – 1835) oder das Buchcover einer Akte der Oberschulbehörde können bei Bedarf übermittelt werden.

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