Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 12. Dezember 2017

Ausgabe vom 19. März 2013

St. Katharinen: Unendliche Baugeschichte

Stadt saniert den Sakralbau – Im Sommer wird im laufenden Betrieb restauriert

Das Gewölbe des Querschiffes von St. Katharinen drohte schon auseinanderzudriften und lose Ziegelsteine auf die Glockengießerstraße zu fallen. Mit Welterbemitteln lässt Lübeck seit Oktober 2011 seinen Sakralbau erstmalig umfassend sanieren. Insgesamt rund 3,1 Millionen Euro investiert die Hansestadt in das ehemalige Franziskaner-Basilika, 2,7 Millionen Euro davon kommen von der Unesco. Momentan ruhen wetterbedingt die Maurerarbeiten: „Unter 5 Grad Plus können die Maurer nicht arbeiten“, bedauert die Leiterin von Lübecks Denkmalpflege Dr. Irmgard Hunecke den Sanierungs-Stopp an der Katharinenkirche. Dabei sind die Arbeiten weit fortgeschritten: Die Maurer haben nach Angaben des Gebäudemanagements an der Süd- und Nordwand des Querschiffes über 1.000 Ziegelsteine ausgetauscht. Eine Sisyphusarbeit bei über 12 verschiedenen Ziegelarten aus mehreren Jahrhunderten Baugeschichte. Der Lübecker Bauforscher Dr. Michael Scheftel hat sich fast meditativ mit der Materie beschäftigt, von Gerüsten aus und im Inneren der Basilika millimetergenaue Bauforschung mit einem Laserscanner betrieben. „Historische Bauforschung - das ist Archäologie über der Erde“, sagt der Lehrbeauftragte der Fachhochschule zu Lübeck, der angehenden Bauingenieuren in St. Katharinen zeigt, was Bauen im Bestand eigentlich bedeutet - nämlich erst einmal zu verstehen und dabei lange genug hinzusehen.

Während an St. Katharinens Fassade hauptsächlich Steine, Mörtel und Fensterdichtungen erneuert wurden, halten im Inneren des Gewölbes jetzt Maueranker, genauer Stangen, das Kirchenschiff zusammen. „Bei den Bausicherungsmaßnahmen wurden statische Schäden festgestellt. Erste Risse im Gewölbe hatten gezeigt, dass die dringende Notwendigkeit bestand einzugreifen“, sagt Dr. Irmgard Hunecke. Wenn es wieder wärmer werde, dann könnten auch die Restauratoren unterhalb des Gewölbes mit ihrer Arbeit beginnen. Laut Dr. Hunecke werden im Laufe des Sommers, wenn die Kirche für Touristen geöffnet ist, Malereien an den Gewölben, später an den Wänden freigelegt. Insgesamt haben die Restauratoren acht Schichten mit Malereien entdeckt.

Die Jüngste, also die oberste Schicht unter dem weißen Anstrich, werde freigelegt. Darunter befänden sich, so Dr. Hunecke, eine Gewölbezier aus Ornamenten und farbigen Begleitstrichen, die denen in St. Marien ähnele. An den Seitenwänden sollen nach der Restaurierung der Gewölbe Malereien aus dem 14./15. Jahrhundert erscheinen. Neben der Mauerwerkserhaltung und der Restaurierung hat die umfassende Inspektion der Franziskaner-Kirche aus den 1290er Jahren auch neue bauhistorische Erkenntnisse zu Tage gefördert. Dr. Scheftel: „Wir können jetzt die einzelnen Bauphasen der Kirche genau Abschnitten der politischen Geschichte zuordnen.“ So hat es vor dem Bau des eigentlichen Langhauses ein provisorisches Langhaus gegeben und es ist zu zwei längeren Unterbrechungen beim Bau von St. Katharinen gekommen. Jel

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