Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 09. April 2013

Vom Bauzeichner zum Tellerwäscher

Omid Heydari spielt in einem Film über Fachkräfte und Flüchtlinge mit

Wenn Omid Heydari am Sonnabend, dem 13. April nicht arbeiten muss, dann geht er hin, zum Konzert der Flüchtlinge ins Lübecker Rathaus. Eine Band, die nur aus Flüchtlingen besteht, die aus Gambia, Afghanistan, Griechenland, Russland oder dem Kosovo kommen - diese „Refugees" will sich der Flüchtling Omid Heydari gerne selbst ansehen. 2008 ist der damals 22-Jährige aus dem Iran geflohen. „Wenn man im Iran was gegen das Regime hat, ist das lebensgefährlich", sagt Heydari, der in Nils Holger Schomanns Dokumentation für die Lübecker Handwerkskammer: „Land in Sicht: Fachkraft Flüchtling" mitspielt und darin erzählt, wie schwer es für Flüchtlinge ist, auf dem deutschen Arbeits- und Ausbildungsmarkt Fuß zu fassen.

Heydari floh aus dem Iran, erst in die Türkei, dann mit einem Wasser-Jetski nach Griechenland und dann nach Norwegen. 2010 kam Heydari über Hamburg und Neumünster nach Lübeck. Hier arbeitet der 28-Jährige jetzt als Tellerwäscher in einem Lübecker Café. Dabei hat Heydari eigentlich Bauzeichner gelernt und sich in einem sechsmonatigen Kurs in seiner Heimat zum Elektriker weiterqualifiziert. Dennoch - den Job in der Küche zu bekommen - das war nicht leicht: „Ich bin bei allen Lübecker Res-taurants gewesen und habe Bewerbungen geschrieben. „Ich will gerne hier Teller spülen", hat Heydari in seine Bewerbung geschrieben. Aber man habe ihm nur ein schönes Leben gewünscht. Wer als Flüchling nicht anerkannt werde, der bekomme kaum einen Fuß auf den Boden: „Wo soll man hingehen als 23-Jähriger? Keine Familie, kein Geld, hier darfst du nur leben, nicht studieren, keine Ausbildung machen und wer anerkannt wird, der muss hier von Null anfangen", sagt der 28-Jährige. Bei Null anfangen. Neustarten, das musste Heydari trotz Bauzeichnerlehre, trotz Elektro-Zertifikat. In Deutschland zähle das aber alles nicht. Lediglich den Hauptschulabschluss habe ihm die Behörde anerkannt. Die Arbeit in dem Lübecker Café tue ihm gut. Dennoch wünscht Heydari sich etwas anderes. „Mein Wunsch ist es, als Handwerker eine Ausbildung zu machen, mit meinen Händern zu arbeiten und mein Geld zu verdienen." Jel

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