Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 20. Oktober 2017

Ausgabe vom 16. April 2013

„Wir werden zum Buhmann gemacht“

Der Brodtener Landwirt Hans-Peter Kröger spricht über den Wanderweg-Streit

Herr Kröger - Sie liegen schon lange im Clinch mit der Hansestadt Lübeck. Die Stadt will nicht mehr soviel für ihr Land am Bodtener Ufer zahlen. Am 16. April tagt der Kurbetrieb. Wird der Wanderweg am Brodtener Ufer danach in Teilen dicht gemacht?

Ich nehme es nicht an und hoffe es auch nicht. Ich hoffe, dass wir da noch zu einem Ergebnis kommen und irgendwann mal überhaupt mit den Verhandlungen beginnen, denn bis auf ein Gespräch mit dem Kurbetrieb in 2012 hat es ja noch keine Verhandlungen gegeben.

Die Verhandlungen laufen seit mehreren Jahren - ergebnislos.

Verhandlungen sehen anders aus. Man setzt sich zusammen und redet über eine Sache. Die Stadt legt uns aber einfach Verträge vor, die wir akzeptieren und unterschreiben sollen und wenn wir Veränderungen vornehmen wollen, dann wird sich gesträubt und die Miete halbiert.

Was erhalten Sie von der Stadt für die Flächen am Brodtener Ufer? Woran stören Sie sich?

Die Zahlen möchte ich wegen laufender Verhandlungen nicht nennen, das beschwört nur Konflikte herauf.

Viele sagen, Sie erhalten zuviel Geld von der Stadt für abschüssiges Land? Warum lenken Sie nicht ein?

Wir haben Verträge, die seit 50 Jahren gelten. Wir haben nur die Beibehaltung der Wertsteigerungsklausel verlangt und im April 2012 wollte uns der Kurbetrieb dann die Pacht halbieren ohne vorher mit uns darüber zu reden. Die Preise sind aber keine Grundlage für einen Promenadenweg, der genauso frequentiert ist wie die Promenade in Travemünde. Man kann hier nicht Ackerlandpreise zu Grunde legen.

Sie selbst verdienen an der Pflege des Weges mit?

Das wird sehr komisch von Seiten des Kurbetriebs dargestellt. Wenn mehrere Firmen Angebote abgegeben haben, und ich das günstigste Angebot abgebe und mir dann gesagt wird, dass ich daran verdiene und deshalb auf die Pacht verzichten soll, dann ist das schon ein merkwürdiges Geschäftsgebahren.

Sie reden seit sieben Monaten mit Senator Schindler nur noch über Ihren Anwalt.

Die Wertsicherungsklausel in den Verträgen wurde so verändert, dass es keine Wertsicherungsklausel mehr ist. Uns wurde ein Vertrag vorgelegt, bei dem auf einmal auf die Hälfte des Mietpreises zurückgegangen wurde, daraufhin haben wir im Januar 2012 einen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Werden jetzt die Verträge gekündigt?

Die Stadt will Ende Juli 2013 kündigen.

Kommt es zur Schließung des Wanderweges?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Lübecker Verwaltung so blind ist und die touristische Bedeutung des Weges nicht erkennt. Das ist schließlich auch der Ostseeküstenradweg, der gerade neu ausgeschildert wurde. Das können sich Lübeck und Travemünde nicht leisten.

Was macht Sie so sauer?

Wir sind nicht über die halbierten Verträge informiert worden. Verhandeln bedeutet ein Entgegenkommen beider Seiten. Wir haben auf die Hälfte der anstehenden Anpassung verzichtet. Das wurde aber immer als zusätzliche Forderung dargestellt und nicht als Entgegenkommen. So wie die mit uns umgehen, ist das keine Art und Weise.

Sind sie jetzt der sture Bauer?

Das hat Senator Schindler so schon im vergangenen August im Fernsehen gesagt. Da haben wir gesehen, wie die Position ist.

Wie geht‘s jetzt weiter?

Das liegt daran, wie die Verwaltung mit der Sache weiter umgeht. Wir hätten eigentlich gerne Ruhe, wenn dieser ganze Kram endlich zuende wäre und der Weg gesperrt werden würde. Dann sind wir zweieinhalb Jahre familiären Stress los. Aber wir wollen der Bevölkerung den Weg erhalten. Wir werden zum Buhmann gemacht, wenn die Politik schon Schilder aufstellen will, dass wir die Schuld daran haben, wenn der Weg nicht mehr da ist ...   Interview: Jel

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