Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 12. Dezember 2017

Ausgabe vom 23. April 2013

Auftakt für die Soziale Stadt in Moisling

Stadtplaner diskutierten mit Bürgern Entwicklungsperspektiven fürs Quartier

Rund 150 Moislinger haben sich die Auftaktveranstaltung für das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt Moisling“ im Clubheim des Rot-Weiss-Moisling angesehen. Stadtplaner der Hansestadt Lübeck präsentierten dort zusammen mit einem Berater-Team aus Hamburg das Programm „Soziale Stadt“ und luden die Anwohner ein, zu erzählen, wo im Stadtteil Moisling überall der Schuh drückt.

Der Hamburger Stadtplaner Christoph Schnetter umriss zu Beginn der zweieinhalbstündigen Veranstaltung kurz das Programm „Soziale Stadt“. Die Hansestadt Lübeck beteilige sich seit 1999 an diesem Städtbauförderungsprogramm, das städtebauliche, wirtschaftliche und sozial benachteiligte Stadtteile unterstützt.

Im Rahmen der Sozialen Stadt seien bisher die Quartiere Hudekamp, St. Lorenz und Buntekuh entwickelt worden. In Moisling starte jetzt die gemeinsame Bestandsaufnahme mit den Bürgern. Im Sommer sollen erste Ergebnisse vorliegen und die Bürger sollen im Rahmen einer Planungswerkstatt beteiligt werden. Schnetter und seine Berater waren schon im Stadtteil unterwegs: „Wir sind nicht beschimpft worden und hatten auch keine Hunde-Konflikte“, sagte der Stadtplaner augenzwinkernd. Traurig sei vor allem der Anblick der baulichen Mängel im Geschosswohnungsbau und die lieblosen grünen Flächen zwischen den Blöcken, die eigentlich Gärten der Mieter werden könnten, so Christoph Schnetter. Eine Qualität, die Moisling habe, seien die Grün- und Freiraumausstattungen sowie die Vernetzung des Wohnens mit diesen Freiräumen. „Das ist ein Flächentrumpf für Moisling“, so der Stadtentwickler.

Im Anschluss an Schnetters Vortrag sammelten die Moislinger mit einer Moderatorin Missstände und Möglichkeiten für die Zukunft des Stadtteils. Wolfgang Thieß, Vorsitzender des SpVgg Rot-Weiß Moisling, warb für Moisling und seinen Verein: „Der Verein macht gute Werbung für den Stadtteil.“ So gebe es Projekte mit Schulen und Asylbewerberarbeit mit Kindern: „Diese Kinder können bei uns beitragsfrei in den Verein eintreten“, so Thieß.

Die Leiterin der Familienkiste Moisling Uta Behrend brach eine Lanze für den Stadtteil: „Moisling ist besser als sein Ruf.“ Dennoch seien die Zustände in den Wohnungen, vor allem im Gebrüder-Grimm-Ring, unfassbar. „Es ist unfassbar, dass da überhaupt noch Familien drin leben. Die Bronx ist nichts dagegen“, sagte Uta Behrend.

Hartmut Sörensen, Chef der Grundstücks-Gesellschaft Trave, bezeichnete den Wohnungsbestand aus den 60er Jahren als „verbraucht“. Die Trave sei in den vergangenen zwei Jahren selbst für Bevölkerungsabwanderung aus Moisling mitverantwortlich: „Wir haben ganz bewusst Leerstände geschaffen, um mit der Sanierung anzufangen“, sagte Sörensen. Der Moislinger Aydin Candan freut sich auf die Soziale Stadt in seinem Stadtteil. Der Gastronom hofft, dass es im Rahmen des Förderprogrammes auch bessere Verhandlungsmöglichkeiten für einen Bahnhaltpunkt am Rand der Metropolregion Hamburg geben werde. Candan stellte klar: „Ein weltoffenes Lübeck ohne Moisling geht nicht.“ Der schlechte Ruf Moislings müsse gemeinsam mit Ideen für den Stadtteil bekämpft werden: „Die Soziale Stadt ist eine Riesenchance für Moisling“, so Candan weiter. Dies sieht auch der Pastor der Johann-Hinrich-Wichern Kirchengemeinde so. Christian Gauer unterstrich: „Dieser Stadtteil wurde in den vergangenen Jahren stiefmütterlich behandelt. Aber die Moislinger sind stark darin, sich bemerkbar zu machen und bei drohenden Schließungen Nein zu sagen.“

Uwe Haase vom Deutschen Mieterbund erklärte, dass viele Mieter in Moisling Angst vor nicht mehr bezahlbarem Wohnraum haben. „Wir wissen genau, dass die Neubauten nach energetischen Gesichtspunkten gebaut werden und energetische Bauten können mit elf Prozent mehr Miete belegt werden.“ Lübecks stellvertretender Stadtpräsident Lienhard Böhning war mit dem Startschuss für Moislings Soziale Stadt zufrieden: „Es hat sich wieder gezeigt, wie engagiert die Moislinger sind, und dass sie nicht nur die Probleme sehen, sondern sagen, dass sie gerne hier in Moisling leben. Jel

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