Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 15. Dezember 2017

Ausgabe vom 30. April 2013

„Wir wollen aktiv mitarbeiten“

Lübecks Stadtschülersprecher organisiert Polit-Talk im Burgtor-Jugendzentrum

Jan Karnatz - Sie sind seit 2012 neuer Stadtschülerpräsident. Was haben Sie mit Ihrem Stadtschülerparlament (SSP) bisher bewegt?

Wir treffen uns nach einer Pause 2012 regelmäßig einmal im Monat im Burgtor und planen jetzt eine Podiumsdiskussion zur Kommunalwahl.

Was genau wird das für eine Aktion?

Weil die Wahlbeteiligung von Jugendlichen immer weiter sinkt und Politikverdrossenheit ein Dauerthema ist, laden wir die Kommunalpolitiker zum „Polit-Talk“ ins Burgtor ein. Wir wollen die Kommunalpolitiker fragen, wie ihr Wahlprogramm aussieht.

Wer wird zu „Jugend trifft Politik“ eingeladen?

Nach Möglichkeiten Politiker, die sich auch mit Jugendthemen auskennen. Also Mitglieder aus dem Jugendhilfeausschuss oder aus dem Ausschuss Schule und Sport.

Das Stadtschülerparlament ist auch bei Facebook, hat aber lediglich 51 Follower, ist das ein Zeichen für Politikverdrossenheit?

Wir hoffen, dass wir bekannter werden. Auf unserer neuen Internetseite www.ssp-hl.de gab‘s schon ordentlich Klicks. Da laden wir alles hoch, was das SSP betrifft - Protokolle, Einladungen, Aktuelles ...

Braucht Lübeck ein Jugendparlament?

Unbedingt. Jede Stadt braucht ein Jugendparlament, weil gerade Jugendliche Experten in eigener Sache sind. Jugendthemen werden von der Politik entschieden. Da hilft es, wenn Jugendliche dabei sind, um diesen Entscheidungsprozess zu unterstützen.

2003 lag die Jugend-Wahlbeteiligung bei den Lübecker Kommunalwahlen lediglich bei 40 Prozent. Wie kommt‘s?

Ich glaube, dass oft Informationen fehlen. Auch weil die Wählergruppe der Jugendlichen außen vor gelassen wird. Die Informationen sind häufig nur für die anderen Generationen gemacht.

Was beschäftigt das Stadtschülerparlament sonst noch?

Wir hatten eine Anfrage vom Regionalen-Nah-Verkehrs-Plan bekommen und vom Fahrradbeauftragten. Für den sollten wir einen Bericht über Stadtentwicklung schreiben, was relativ schade war, weil wir nur einen Bericht schreiben sollten, aber nicht in die Planungen mit eingebunden waren.

Was muss geschehen, damit Jugendbeteiligung in Lübeck noch besser läuft?

Das Stadtschülerparlament vertritt 10.000 Schüler. Das ist eine riesige angehende neue Wählergemeinschaft. Wenn die wirklich darüber informiert werden, was in Politik los ist, dann baut das den Druck auf Jugendliche besser einzubinden. Als erstes müssen dazu an allen Lübecker Schulen Schülervertretungen etabliert werden. Aktive SVen müssen durch Schulsozialarbeiter oder engagierte Lehrer unterstützt werden.

Was sollte noch geschehen?

Die Behördenstruktur in Lübeck ist sehr verkrustet. Es ist sehr schwer an Informationen zu kommen. Ich fand‘s recht schade als die Aktivitäten des SSP 2012 abgeflaut sind. Ich habe damals viele Emails an die Verwaltung geschrieben, aber nur von Frau Kümmeke, der Leiterin des Jugendzentrums im Burgtor, eine Antwort erhalten.

Es gibt gerade einen Antrag in der Bürgerschaft, eine Stelle für einen Mittler zwischen SSP und Verwaltung zu schaffen. Was halten Sie davon?

Wir sind der Meinung, dass es schlauer ist viele dezentrale Anlaufstellen zu haben, die sich untereinander vernetzen. Das ist kostengünstiger und man hat immer einen lokalen Anlaufpunkt, zu dem man hingehen kann. Wenn Jugendeinrichtungen in der Stadt besser miteinander kommunizieren, können wir auch ohne zusätzliche Anlaufstelle funktionieren.

Hat das Stadtschülerparlament ein Bekanntheitsproblem?

Eher ein Imageproblem in Richtung Politik. Weil es in der Vergangenheit oft so war, dass wir eingeladen wurden, aber keine Rückmeldung von unserer Seite kam, so dass wir abgestempelt wurden – so nach dem Motto „Ach die kommen ja eh nicht.“

Gibt es noch etwas von Ihrer Seite, das Ihnen wichtig ist?

Ich würde mir wünschen, dass wir in Zukunft so beteiligt werden, dass wir auch aktiv mitarbeiten können und nicht nur benutzt werden, um das „JA“ am Ende des Berichtes anzukreuzen für Jugendbeteiligung. Interview: Jel

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