Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 11. Dezember 2017

Ausgabe vom 28. Mai 2013

Frühschicht in Wulfsdorfs Wahlbüro

Wahlbeteiligung vor den Toren von Lübeck liegt 2013 bei 47,6 Prozent

Sonntagmorgen - kurz vor 8 Uhr: Im kleinen Wahlbüro in der Wulfsdorfer Grundschule bereiten Wahlvorsteherin Marianne Tauchnitz und ihr Team alles für Lübecks Kommunalwahl 2013 vor. Peter Tönnsen und Thomas Feddern befestigen noch schnell Bleistifte an aschfahlen Wahlkabinen: „Denn manch‘ einer hat ja große Taschen“, sagt Feddern augenzwinkernd. Wahlvorsteherin Marianne Tauchnitz gibt letzte Anweisungen bevor sich die Schultüren für 708 Wahlberechtigte aus Wulfsdorf, Vorrade und Beidendorf öffnen, die noch nicht per Brief gewählt haben. Tauchnitz rechnet mit einer Wahlbeteiligung von 60 Prozent in ihrem Bezirk. Punkt 8 Uhr stolpert der erste Wulfsdorfer, noch etwas müde, ins Wahlbüro und ruft: „Ich hab gar keine Wahlbenachrichtigung bekommen.“ Kein Problem für Wulfsdorf Wahlhelfer. Kurzer Perso-Check und schon hat Wahlhelferin Caren Kertscher ihren ersten Strich auf dem Kontrollbogen und der erste Zettel verschwindet in der Urne mit der Nummer 0220. Während Wulfsdorfs Wahl schleppend anläuft, bekommen die Wahlhelfer kalte Füße und beschweren sich telefonisch in Lübeck über Heizungen, die nicht warm werden wollen. „Wir sitzen hier in einer eiskalten Schule“, so Marianne Tauchnitz. Draußen vor der Türe, an der Bushaltestelle debattieren ein paar Wulfsdorfer indes über die Ausdünnung des ÖPNV am Stadtrand. „Das ist fast schon asozial, was hier mit den Alten gemacht wird“, sagt der Rentner Rainer Sieslack und mokiert sich über Busse, die am Wochenende nicht mehr die Dörfer Wulfsdorf, Vorrade und Beidendorf ansteuern. Und in der Woche, da fahre der letzte Bus aus Lübeck gegen 18 Uhr nach Wulfsdorf. Während einige Senioren mit Mühe die steinige Schultreppe ins Wahlbüro erklimmen, tritt ein 87-Jähriger, fröhlich pfeifend an die Wahlurne. Nur mit dem Falten des Zettels hat der Wulfsdorfer so seine Schwierigkeiten: „Moin, Moin!“, begrüßt der Rentner jeden Wahlhelfer mit Handschlag und erkundigt sich: „Kriegt ihr denn heute doppeltes Gehalt?“ Viel erwarten von der neuen Lübecker Bürgerschaft, das tut der Senior nicht: „Alles Kuddelmuddel. Die werden sich nie einig. Zu viele Köche verderben den Brei“, sagt der Wähler beim Abschied aus Wulfsdorfs Wahlbüro. Kurz vor 10 Uhr: Wulfsdorf drängt ins Wahlbüro, Bürger geben sich die Klinke in die Hand. Neben Bussen, die nicht häufig genug fahren, gibt‘s neues Gerede im Dorf über die Zukunft der Badestelle am Beidendorfer See. Dort bewacht die DLRG-Lübeck seit 1952 von Juni bis August eine Badestelle auf dem Gebiet des Kreises Herzogtum-Lauenburg. Bisher finanzierte der Kreis die Wasserrettung an den zwei Badestellen am See mit mehreren Tausend Euro im Jahr. Wie der Vorsitzende der DLRG-Lübeck, Frank Hertlein, auf Anfrage der Stadtzeitung erklärt, ist dieser Vertrag zum Ende der Saison 2013 durch den Kreis Herzogtum Lauenburg gekündigt worden und es werde jetzt gemeinsam nach Finanzierungsmöglichkeiten für die Saison 2014 gesucht.        Jel

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