Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ausgabe vom 11. Juni 2013

Shanty-Festival: Gibt‘s nur in Travemünde

Möwenschiet-Chef spricht über seine Liebe zu maritimen Liedern

Herr Ruland, Travemünde erwartet vom 28. bis 30. Juni über 1.000 Sänger und viele Traditionsschiffe zum Shanty-Festival.

Was ist denn Ende Juni auf der Trave-Promenade los?
Das Shanty-Festival in Tavemünde bringt 30 unterschiedliche Chöre, die sich mit maritimen Musikgut befassen zusammen. Die Sänger kommen unter anderem vom Bodensee, aus Holland und Dänemark. Das Interessante daran ist, dass nicht nur Shantys gesungen werden - das wäre ja langweilig - alle Chöre haben auch moderne Musik in ihrem Programm.

Wie begeistert man junge Leute für Seemannslieder?
Das ist nicht einfach. Alle Chöre haben Schwierigkeiten Nachwuchs zu finden. Bei gestandenen Männerchören ist das sehr schwer. Ein Beweis dafür, dass das Interesse für Shantys groß ist, ist die Gruppe Santiano. Seit Anfang 2012 sind die katapultartig nach oben geschossen mit ihren rauhen, rockig aufgepeppten Seemannsliedern.

Gibt‘s da Rückkoppelungen zwischen Santiano und Möwenschiet?
Möwenschiet hat natürlich auch Lieder, die nah am Zeitgeist sind: Wir haben Rivers of Babylon, Aloha, Frei wie der Wind, Surfin‘ U.S.A und Kapitano. Wir haben Lieder, die mitgesummt werden. Das ist eben das, was ein rundes Musikprogramm ausmacht. 90 Minuten nur Shanty – das wäre einfach zu lang. Auf die gesunde Mischung kommt es an.

Wie alt ist ihr jüngstes Chormitglied?
Unser Jüngster ist 23 Jahre alt.

Alles Männer?
Alles Männer bis auf eine Frau. Seit zwei Jahren haben wir eine Akkordeon-Spielerin. Das war ein elementarer Umschwung in einem ehemals reinen Männerchor. Jetzt ist der Umgangston wesentlich weicher geworden und wir überlegen uns schon ab und an, ob deftige Ausdrücke angebracht sind.

Halten Sie mal dagegen - Seemannschöre sind was für alte Männer!
Seemannschöre können nicht mit alten Männern existieren. Denn Seemannslieder sind schwungvoll und haben nichts mit Sofageschichten, sondern mit harter Arbeit an Bord zu tun. Und bei uns kann man auch sehen, dass wir eine bunte Palette Personen ansprechen, die nicht im Rentenalter sind und trotzdem Lieder wie „Hamborger Veermaster“ im Herzen tragen.

Zurück zum Festival: Wird das ein großes Wurstessen mit musikalischer Begleitung?
Nein. Das Shanty-Festival wird keine Budenstadt. Die Chöre bespielen fünf Bühnen entlang der Travepromenade. Auf jeder Bühne gibt es im halbstündigen Abstand Programm.

Worauf freuen Sie sich persönlich?
Ich freue mich, wenn wir am 28. Juni um 14 Uhr auf der Lisa von Lübeck stehen und der Ministerpräsident des Landes zusammen mit dem Bürgermeister und Kulturbühnen-Leiter Wolfgang Hovestädt bei hoffentlich strahlendem Sonnenschein ein Shanty-Festival eröffnen, das es so in Deutschland noch nicht gegeben hat. Das maritime Flair dieses Festivals, sowas gibt‘s nur in Travemünde, 50 Meter vor der Bühne fährt die Nils Holgersson vorbei und ein Gewimmel von Sportbooten und Seglern begleitet die Veranstaltung.

Wo genau werden die Bühnen stehen?
Die Bühnen werden an der Travepromenade beginnen, von der Backskiste bis zur neuen Lotsenstation. Auf diesem Areal werden sich die Bühnen und Stände verteilen. Der Fischereihafen wird nicht bespielt.

Warum singen Sie Shantys?
Shantys haben Kraft. Ich bin jetzt 28 Jahre dabei. Mit 38 waren alle noch etwas jünger und kräftiger. Aber das maritime Liedgut ist so frisch und begeisternd, es passt einfach an die Küste. Wenn beim Maisingen 1.000 Leute auf dem Markt singen und wenn man sieht, wie sich Menschentrauben um Chöre bilden, dann ist es schön, dass man nicht für sich alleine singt, sondern den Spaß an andere weitergeben kann.

Was ist Ihnen noch wichtig?
Der Passat-Chor und der Möwenschiet-Chor engagieren sich in der Betreuung der anreisenden Chöre. Die Kulturbühne versorgt die angereisten Chöre im Infozelt am Lübecker Yachtclub mit allem Notwendigen. Interview: Jel

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de