Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 18. Juni 2013

Konzept-Kampf um Lübecks Kaikante

BIRL-Chef Jörg Sellerbeck und KWL-Prokurist Ulf Hahn sprachen mit Jungpolitikern

Jörg Sellerbeck von der Bürgerinitiative Rettet Lübeck (BIRL) hat seine Redezeit bei der Vorstellung der Machbarkeitsstudie und Konzeptskizze für die Nutzung und Bebauung der nördlichen Wallhalbinsel locker einige Minuten überzogen. Die Junge Union Lübeck hatte Sellerbeck und KWL-Prokurist Ulf Hahn am vergangenen Freitag zur Diskussion in den Ratskeller geladen. Beide Diskutanten hatten genau 30 Minuten Zeit ihre Perspektiven für die nördliche Wallhalbinsel den Jungpolitikern zu erklären.

Während Sellerbeck vor allem die historische Stadtentwicklung der nördlichen Wallhalbinsel Revue passieren ließ und die sukzessive Umnutzung der vorhandenen Hafenschuppen anhand von Innenansichten erläuterte, präsentierte Ulf Hahn Flächen, Fakten und Zahlen. „Die Historie kann Herr Sellerbeck deutlich besser, ich bin Kaufmann, kein Historiker“, so der Prokurist der Kailine. Auf der nördlichen Wallhalbinsel will die KWL 85.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche an den Markt bringen, Wohnraum für 1.200 Lübecker und Lübeckerinnen schaffen, zwei Hotels, ein Ärztehaus und hochwertige Büroimmobilien entwickeln. Die Erschließungskosten, inklusive Rückbau der Hafenschuppen, Kreuzungs-Ertüchtigung an der Drehbrücke, Erhalt der Kräne und Bodensanierung bezifferte der KWL-Prokurist auf rund 10 Millionen Euro. „Wir erwarten Verkaufserlöse in Höhe von 15 Millionen Euro“ so, Hahn. Im Zuge der Neubebauung der nördlichen Wallhalbinsel soll die vorhandene Bausubstanz wie das Kopfsteinpflaster, behutsam in die Neugestaltung integriert und das Quartier an der Kaikante mit einer öffentlichen, asphaltierten Straße angebunden werden. Sollte die Bürgerschaft sich für „Kailine“ aussprechen, so könnten die ersten beiden Grundstücke bereits im August oder September verkauft werden und im Frühjahr 2014 mit der Erschließung und dem Hochbau begonnen werden, so Hahn. Vorgesehen seien drei- bis fünfgeschossige Bauten, die sich besser vermarkten ließen als die Schuppen mit ihrer Bautiefe von bis zu 25 Metern. Sellerbeck und die BIRL hingegen, wollen Lübecks Hafenschuppen erhalten und die Gebäude aus dem Bestand heraus entwickeln. Das so genannte WHIN-Kozept der Bürgerinitiative Rettet Lübeck unterteilt die Hafenschuppen auf der nörlichen Wallhalbinsel in mehrere Kategorien, die je nach Lage und Bebauungsplan individuell umgestaltet werden können. So könne der Schuppen A am Kulenkampkai beispielsweise Dienstleistungen im Zusammenhang mit einem im B-Plan vorgesehenen Sportboothafen bedienen. Der Schuppen C biete sich für die Nutzung eines 2 bis 3-Sterne-Hotels an, Schuppen F, 1940 fertiggestellt, biete sich mit seinen 3.000 Quadratmetern Fläche unter der „sakralen Stahlbetonkonstruktion“ als Messehalle an. Darüber hinaus könnten Bands und Musiker im Keller des Schuppens F ihr Quartier finden. Für die 1.600 Quadratmeter Fläche im Keller gäbe es auch schon einen Interessenten der dort ein Musikcenter mit Proberäumen nach angelsächsischem Vorbild errichten will, so Sellerbeck. Der BIRL-Mann geht von Erschließungskosten in Höhe von 7,3 Millionen Euro aus, da die Schuppen nicht zurückgebaut werden müssen und öffentlicher Raum, wie die Kopfsteinpflasterstraße weiterhin genutzt werden könne. Die Jungpolitiker fragten in der anschließenden Diskussion an, was geschehen werde, wenn sich die Bürgerschaft gegen die Kailine entscheidet. Hahn erklärte, dass dann rund eine halbe Million Euro an Kosten entstünden. „Wir wären enttäuscht, wenn das passieren würde“, so Hahn. Die Investitionsrisiken für die Kailine schätzt Ulf Hahn gering: „Wir nehmen aus den ersten Verkäufen rund 7,5 Millionen Euro ein, haben Gesamterschließungskosten von 10 Millionen Euro und haben die schönste Lage auf der Spitze noch nicht verkauft.“ Ein Teilnehmer der Veranstaltung fragte an, ob Lübeck seine Altstadtsilhouette mit einer drei- bis fünfgeschossigen Bebauung nicht verschandeln würde. Hahn sieht das nicht so und verweist auf die gelungene Gestaltung der Media-Docks und aktuell das Projekt Gesamthafen. Sellerbeck sieht das anders: „Wir haben zwar hochkarätige Architekten für P&C, Haerdercenter hier gehabt - Neues zu bauen, das sich an Altem orientiert, das gelingt in Lübeck erfahrungsgemäß nicht.“ Falls die neue Lübecker Bürgerschaft sich gegen die Kailine entscheiden sollte, sieht der KWL-Prokurist Ulf Hahn  massiven Schaden auf Lübeck als Investitionsstandort zukommen: „Das ist doch irgendwie verkehrte Welt“, so Hahn. Jel

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