Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 25. Juni 2013

Traditionsschiffe tragen Trauer

Wut im Museumshafen: Berufsgenossenschaft bremst Segler aus

Unmut an der Untertrave: Seit mehreren Jahren brodelt es zwischen der Berufsgenossenschaft Verkehr und den Traditionsseglern. „Jetzt ist sogar die erste Garde im Lübecker Museumshafen, die Krik Vig, Fridtjof und die Ellen bedroht“, sagt der erste Vorsitzende des Museumshafens Holger Walter. Hintergrund des Zwistes sind Kriterien nach denen die See-Berufsgenossenschaft, die BG Verkehr mit Sitz in Hamburg, historische Schiffe klassifiziert und zulässt.

Der Skipper der Ellen, Hans Fuhrmann, kann das ganze Gekabbel schon nicht mehr hören. Vor fünf Jahren, habe seine Ellen, ein Fischkutter, der mal in der kurischen Nehrung unterwegs war, noch das Etikett „Traditionsschiff“ bekommen. „Auf einmal soll ich keine Zulassung mehr als Traditionsschiff bekommen?“, fragt der Seemann konsterniert. Auch auf der Krik Vig, einem Gaffelschoner, ist „der in Lübeck weltbekannte Bootsmann Pitt“ alarmiert. „Das ist Gentrifizierung auf dem Wasser, was die hier machen.“ Lübecks ehemaliger Hafenkapitän Henning Redlich (71) hat wenig Verständnis für die Genehmigungspraxis der BG Verkehr. „Typisch Deutsch. Man will wieder alles besser machen als im Ausland.“ Sollten einige Segler des Lübecker Museumshafens kein Sicherheitszeugnis bekommen, so habe das herbe Konsequenzen. So müßten Kapitäns-Patente gemacht werden und weniger Charter-Besatzung könne mitfahren. Das wiederum gefährde die wirtschaftliche Existenz der Traditionsschiffe. Letztendlich bedrohe diese willkürlich erscheinende Genehmigungspraxis auch Lübecks maritimes Highlight, den Lübecker Museumshafen, so Holger Walter. In Hamburg wartet die Berufsgenossenschaft indes auf ein Okay aus dem Ministerium. Zusammen mit der Gemeinsamen Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW) habe die BG Verkehr neue Auslegungskriterien für die Bestimmung historischer Schiffe erarbeitet. „Wir warten nur auf einen Startschuss des Ministeriums“, sagt Iustiziar Kai Krüger, der den Unmut der Segler sogar nachvollziehen kann. Weil sich die Traditionsschiffer verschaukelt fühlen, tragen Segler wie die Lovis bei der Kieler Woche Trauer und halten schwarze Flaggen in den Wind. Walter: „Wir lassen uns das nicht gefallen.“   Jel

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