Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ausgabe vom 25. Juni 2013

Armer Kerl oder knackiger Koloss?

So sehen Lübeck-Touristen die Lüpertz-Kunst vor der lübschen Postkartenidylle

Kaum steht Lüpertz Odysseus vor Lübecks Holstentor, schon spaltet der Bronze-Koloss in seinem Bötchen die Gemüter. Einige Touristen, die das Holstentor durchwandeln, sie nehmen kaum Notiz von dem vier Meter hohen Mann und laufen dran vorbei, an dieser derben Gestalt.

Doch Rolf Hönl (53) aus Sinzig bei Bonn kann sich der Kunst nicht entziehen. „Im Schiffchen nach Lübeck...“ Das sei schon ein passendes maritimes Bild und die fehlenden Arme, die seien auch nicht defizitär. Im Gegenteil: „Das ist ein positiver Kontrast zum Holstentor“, sagt Hönl.

Naushin Rezaie findet, dass der Odysseus etwas traurig dreinschaut. Der Mann im Schiff, er habe keine Hoffnung mehr. Daher auch sein starrer Blick ins Ungewisse, so beobachtet Stephanie Kalbau, Dozentin aus Lübeck.

Ein Junge, der sich den Korpus etwas ungläubig anschaut und mit seinem Blick an der olympischen Bauchmuskulatur hängenbleibt, staunt: „Heee - der Mann da hat ja Six-Packs“, soll heißen jede Menge Bauchmuskeln. Durchtrainiert kommt auch Odysseus Gesäß daher. Kiechernd drehen sich ein paar Mädchen um und schmunzeln, während eine etwa 50-jährige Düsseldorferin dem Odysseus fürs Familienalbum die Hand auf den Popo legt.

„Der sieht wie ein Fischer aus, wie ein Sklave, der seine Heimat sucht“, meint Ottokar Wanda aus Velbert in Nordrhein-Westfalen. Passen zur weltbekannten lübschen Kulisse, würde er aber nicht, dieser Unbekannte an bekanntem Ort.

„Schön! Das ist wirklich Kunst“, konstatiert hingegen Harrie Le Blanc. Der Niederländer studiert den Aufbau der Skulptur im Profil. Er sieht das halbe Schiff, den Torso, den immensen Kopf. Das Figürliche, das sei gut getroffen. Nur die Holzpalette, eine von zweien auf denen der Koloss angeliefert wurde, die bereitet dem Niederländer Kopfzerbrechen. „Gehört das zum Kunstwerk?“, fragt Le Blanc. Ein Tourist aus Bottrop hat eine Erklärung für die fehlenden Arme des Odysseus. „Der ist noch nicht fertig“, sagt der Nordrheinwestfale schmunzelnd. Seine Partnerin indes lobt das kernige Konterfei: „Lüpertz Odysseus sieht ein bisschen aus wie Sylvester Stallone - da gibt‘s wirklich nichts zu Meckern.“  Jel

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