Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 09. Juli 2013

Neues Quartier an der Ratzeburger Allee

Bauverein will 30 Millionen Euro in neues Wohnquartier in St. Jürgen investieren

Wenn Lübecks südliche Magistrale bis Ende 2020 ihr Gesicht verändert hat, bis dahin will der Lübecker Bauverein rund 30 Millionen in Neubauten entlang der Ratzeburger Allee investieren, werden die Fachhochschulstudenten Malte Schwarz, Michael Quatfasel und Bastian Kahns wohl nicht mehr in dem Klinkerbau aus den 50er Jahren wohnen. Hier pfeifft, so sagen die Studenten, der Wind durch die Fensterritzen und das Lernen im Lärm, das sei auch nicht immer eine Freude.

„Uns hat der Bauverein angeboten nach dem Abriss der Häuser eine neue Wohnung zu beziehen - vielleicht auf der anderen Seite der Straße", sagt der angehende Bauingenieur Michael Quatfasel.

Ende 2014 will die Genossenschaft laut Bauvereins-Chef Detlef Aue mit dem sukzessiven Abriss der roten Klinkerblöcke entlang der Ratzeburger Allee beginnen.

Der alte Wohnungsbestand des Bauvereins, der von Häusern der Gärtnergasse, Amselweg auf der einen Seite und Kleingartenanlagen auf der anderen Seite begrenzt wird, schrumpft dann von 233 auf 200 Wohnungen. Bauvereins-Vorstand Detlef Aue versichert aber: „Die Wohnfläche erhöht sich um 3.000 Quadratmeter dadurch, dass die Wohnungen im Schnitt größer sind." Und Aue betont, dass auch ältere Mieter, die jetzt in preisgünstigen Wohnungen leben, ein Angebot für den ebenso günstigen Wohnraum erhalten würden.

Daran, dass der Wohnraum in dem neuen Quartier, das nach einem Architektenwettbewerb von einem Kopenhagener Büro entworfen wurde, bezahlbar bleibt, haben vor allem ältere Mieter Zweifel. „Wo bekomme ich denn noch eine Wohnung mit 39 Quadratmetern für so wenig Miete?", sagt eine Seniorin.

Verdrängung vorhandener Mieter durch höherpreisigen Wohnraum, den soll es laut Aue in St. Jürgen aber nicht geben: „Wir haben heute dort eine Miete von 4,60 pro Quadratmeter im Schnitt und wir haben nachher 5,50 Netto kalt. Eine Erhöhung der absoluten Wohnkosten wird es bei den kleinen Wohnungen nicht geben", sagt der Bauvereins-Chef mit Blick auf die energetisch effiziente Bauweise.

Während Ende 2014 der Block am Klosterhof als erstes abgerissen werden soll und die Mieter bereits Ende 2015 in einen neuen, drei bis viergeschossigen Riegel einziehen dürfen, haben die Mieter auf der anderen Seite der Ratzeburger Allee noch ein bisschen Zeit bis zum Abriss.

Dass die Blöcke aus den 50er Jahren auch dort wegkommen, das ist längst bekannt. Reinhard Gerlich, ehemaliger Fernfahrer und jetzt Rentner, frohlockt: „Das ist doch ‚ne klasse Sache!" Der Bauverein werde ihn und seine Ehefrau schon nicht im Stich lassen und den beiden ein passendes Angebot für eine 60 Quadratmeter-Wohnung machen.

Wie genau das neue Wohnquartier für Jung und Alt aussehen soll, das wollen Stadt und Bauverein den Bürgern im Rahmen der Bürgerbeteiligung demnächst vorstellen. Der Architektenentwurf sieht für die Westseite der Ratzeburger Allee derzeit seniorengerechte Wohnungen, einen Mix aus 45 bis 60 Quadratmeter großen 2 und 2 1/2 Zimmer-Wohnungen, Maisonettewohnungen und Studenten-Wohngemeinschaften vor.

Auf der Ostseite sollen ebenfalls seniorengerechte Wohnungenzwischen 50 und 75 Quadratmetern, Geschosswohnungen und Reihenhäuser entstehen. Letztere sind gerade ein heißes Thema bei den Anwohnern in der Gärtnergasse und Amselweg: „Nach unseren Erkenntnissen will die Stadt hier verdichtet bauen - statt elf Reihenhäusern sind jetzt 25 Reihenhäuser geplant", sagt einer von mehreren Anwohner der Gärtnergasse, dem die Stadt ein Angebot für einen Teil seines Erbpachtgrundstückes geschickt hat. Jel

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