Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ausgabe vom 06. August 2013

„Wir sammeln die übrigen Brocken“

Lübecks Second-Hand-Laden, die Brockensammlung, feiert 100-jähriges Jubliäum

Vor knapp drei Jahren hing die Existenz der Lübecker Brockensammlung noch am seidenen Faden. Der Sozialladen, der im Kranenkonvent an der Ernestinenschule Hausrat an Bedürftige verkauft hatte, musste seinen Standort in der kleinen Burgstraße aufgeben, weil die Hansestadt Lübeck die Räume des Kranenkonventes für einen aufwändigen Mensa-Neubau nutzen wollte. Günter Sawall, Kassenwart der Lübecker Brockensammlung, die seit 100 Jahren Hausrat kostenlos abholt und für einen geringen Preis an Bedürftige verkauft, erinnert sich: „2009 bestand die Gefahr, dass sich die Brockensammlung auflöst, auch deshalb weil wir keine neuen Räumen mehr hatten.“In Zusammenarbeit mit dem neuen ersten Vorsitzenden Dr. Marek Lengen und der Hansestadt Lübeck konnte jedoch ein neues Quartier für die Brockensammlung gefunden werden. Mit rund 300.000 Euro, die größtenteils durch Possehl- und Sparkassenstiftung gesponsort wurden, konnte der Verein eine denkmalgeschützte Turnhalle auf dem Schulgelände am Steinrader Weg 7 beziehen. Aus ehemaligen Umkleideräumen wurden Büroräume, aus der urigen Turnhalle eine gigantische Second-Hand-Halle.Seit 2010 kümmern sich sieben Mitarbeiter, darunter auch Ein-Euro-Jobber um die Logistik und den Möbeltransport im Großraum Lübeck. Erdacht wurde die soziale Idee, Brocken, also Überflüssiges einzusammeln schon 1870 von dem evangelischen Pastor Friedrich von Bodelschwingh, so erklärt der Vereinsvorsitzende Dr. Marek Lengen (48). Bodelschwingh habe sich an einem Jesus-Wort orientiert: „Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts umkommt“, zitiert Lengen aus dem Johannesevangelium, Kapitel 6, Vers 12.Getreu diesem Motto sammeln Lübecks Brockensammler in einem Radius von 30 Kilometern, auch in Stockelsdorf, Bad Schwartau und Travemünde Dinge ein, die sonst im Sperrmüll landen. Sperrmüll – dieses sperrige Wort, hört Sawall, der zum Scherz auch mal eine Polizeiuniform aus dem Bestand vorführt, die nicht verkauft werden darf, nur ungerne: „Es wandert immer noch zuviel Gutes auf den Sperrmüll. Wir freuen uns über alles was sauber, heil und verwertbar ist“, sagt Sawall.Einkaufen in der Brockensammlung, das kann nicht jedermann: Laut Vereins-Chef Lengen müssen Neukunden glaubhaft nachweisen, dass sie wenig Einkommen haben. Als Bescheinigung genüge beispielsweise ein Arbeitslosengeld-II-Bescheid. Eine Frührentnerin hat sich ihr Outfit - schwarze Schuhe, schwarzes Kleid für 6 Euro in der Brockensammlung zusammengestellt. „Mir ist es wichtig, dass man auf der Straße nicht sieht, dass mein Einkommen gering ist“, lobt die Kundin die Qualität der Bekleidung in Lübecks Brockensammlung. Second-Hand-Mode, die nicht abgetragen aussieht, die wollen Mitarbeiterinnen der Brockensammlung jetzt beim Sommerfest bei einer Modenschau zeigen. Das Fest startet am 10. August um 15 Uhr am Steinrader Weg 7. Zuvor zeichnet Lübecks Bürgermeister die Brockensammlung im Namen der Landesregierung mit einer Urkunde aus. Jel

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