Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 13. August 2013

„Wir brauchen ein Jugendparlament“

Kristina Aberle gehört zu den neuen, jungen Gesichtern in Lübecks Bürgerschaft

SZ: Kristina Aberle – Wie kommen Sie mit 22 Jahren, dazu in die Lübecker Bürgerschaft zu gehen und Kommunalpolitik zu machen?

Ich bin Schülersprecherin an der Baltic Gesamtschule gewesen und als Mitglied des Stadtschülerparlamentes hat mich immer interessiert, wie Schüler in Lübeck Gehör finden. Bei der Kultursenatorin hat es mal mit einem Termin nicht geklappt und wir haben keinen Ersatztermin bekommen. Das hat uns geärgert und beim Bürgermeisterwahlkampf dachte ich mir – Lübeck kann doch nicht nochmal Saxe wählen.

So hat mein Interesse für Kommunalpolitik begonnen. 2011 bin ich dann bei den Grünen gelandet.

 

SZ: Was macht Grüne Politik für Sie aus?

Für mich ist es vor allem die Sozialpolitik. Die Grünen haben hier im Gegensatz zu den Linken eine konkrete Position in Sachen Haushalt: Wir können keine politischen Versprechen machen, die finanziell nicht umsetzbar sind.

Grün sein bedeutet für mich auch, das Beste aus den Themen für Umwelt und Menschen herauszuholen.

 

SZ: Sie sind jetzt Mitglied in zwei Ausschüssen.Was wollen Sie denn im Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege bewegen?

Also in der Denkmalpflege bin ich nicht so die Expertin, aber mir ist wichtig, dass Jugendliche eingebunden werden und Kultur nicht so rüberkommt als sei sie nur für Touristen als Museum da.

SZ: Und im Schul- und Sportausschuss?

Alle Schulen sollen so schön werden, wie die Baltic Gesamtschule. Die ist total modern geworden. Wir brauchen mehr Geld, so dass alle Schulen so schick gemacht werden können. Und beim Sport, da muss Lübeck endlich seinem Ruf als Sportstadt gerecht werden. Veranstaltungen, wie Triathlon oder Wakenitz-Man finden zuwenig Aufmerksamkeit.

 

SZ: Zurück zur Kultur: Dort drüben auf der Nördlichen Wallhalbinsel liegt Lübecks Zukunft. Wie stehen Sie zur Kailine?

Für mich steht fest, dass die Hafenschuppen nicht abgerissen werden sollen. Die Kailine lehne ich ab, weil sie nicht zu Lübeck passt. Für Jugendliche bedeuten die Hafenschuppen viel, weil beispielsweise im Schuppen 9  Abibälle gefeiert werden.

 

SZ: Was ist denn so kritikabel an der Kailine?

(schmunzelt) Hier so große Gebäude hinzubauen, das passt einfach nicht. Es sollen hauptsächlich Wohnungen entstehen, die teuer sind. Und das passt nicht zu Lübeck, weil hier nicht die Leute wohnen, die dafür das Geld haben.

Auch der Nutzen für die Lübecker wird für mich nicht deutlich.

 

SZ: Was haben Sie für einen Eindruck von der Kommunikation in der Lübecker Bürgerschaft?

In der ersten Sitzung war ich total erschrocken, wie da rumgepöbelt wird. Untereinander mag das ja okay sein. Aber wie bei der Einwohnerfragestunde auf den Piraten losgemacht wurde, das fand ich unglaublich.

Selbst Piraten haben das Recht als Bürger in der Stadt ihre Meinung zu äußern und auszureden. Dieses ins Wort fallen und runtermachen – das geht ja gar nicht.

 

SZ: Zurück zur Jugend- und Schulpolitik: Was soll da geschehen?

Junge Menschen sollen sich überhaupt mal wieder für Kommunalpolitik interessieren, denn junge Leute kennen vielleicht noch Saxe und sagen sich, das ist der Bürgermeister, der macht sowieso was er will. Jugendliche sollen sich aber gehört fühlen und sich engagieren, genauso wie der Seniorenbeirat das vormacht, deshalb brauchen wir sowas auch für die Jugendlichen.

 

SZ: Wir haben ein Stadtschülerparlament...

Aber das funktioniert nicht so richtig. Immer mal wieder ein bisschen, wenn ein paar Engagierte da sind. Die Fluktuation nach dem Abitur ist schwierig. In der Stadt gibt es viele Themen, die Jugendliche angehen, dafür brauchen wir ein Jugendparlament wie in Ahrensburg.

 

SZ: Sie studieren jetzt im 6. Semester und wollen noch zusätzlich einen weiteren Abschluss als Arbeitsmarktmanagerin absolvieren. Warum?

Ich will Jugendliche motivieren herauszufinden, was sie gerne machen möchten. Denn viele Jugendliche denken ja, dass sie keine Perspektive haben. Ich habe im Studium viele Nebenjobs gemacht, an der Kasse, am Regal, ich habe gekellnert und gesehen, dass nicht alles toll ist, aber man auch mit einem einfachen Job glücklich sein kann.

 

SZ: Was ist Ihnen noch wichtig? 

Ich hätte gerne, dass mehr Jugendliche in die Bürgerschaft kommen und sich Kommunalpolitik ansehen, denn viele Bürgerschschaftsmitglieder freuen sich, wenn sie junge Leute sehen. Die Hemmschwelle muss gar nicht so groß sein. Politiker wie Peter Reinhardt kann man ganz offen ansprechen und der hilft einem sogar weiter.

Interview: Jel

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