Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 13. August 2013

Skulpteure auf spiritueller Spurensuche

Bildhauer schaffen acht Skulpturen für Lübecks Kreuzweg

Vier renommierte Bildhauer haben im Rahmen eines Symposiums Skulpturen aus Stein und Stahl entworfen. Die Kunstwerke, die am 14. August an acht Stationen im Stadtgebiet dauerhaft aufgestellt werden, sollen an Deutschlands ältesten Kreuzweg und das Schicksal der vier Lübecker Märtyrer erinnern. Björn Engholm und Pastor Lutz Jedeck entwickelten mit dem Bildhauer Jo Kley ein Konzept, das auch den neu entstehenden Märtyrerweg mit einbindet. Jedeck: „Dahinter steckt die Idee, den Betrachter auf unterschiedlichen Ebenen anzusprechen und in einen Dialog mit der Geschichte der Stadt Lübeck, ihrer christlich-abendländischen Kultur und dem jetzigen städtischen Raum zu bringen.“

Winnie Schaak flext mit Feuereifer an einem Relief aus Stahl, das in einer Nische am Burgtor aufgestellt werden soll. Die vier gotischen Bögen des Reliefs sollen, so Schaak, an die vier Lübecker Märtyrer erinnern, die im Gefängnis am Burgtor inhaftiert waren. Zusammen mit seinem Assistenten, dem Lübecker Metallbauer Thorsten Petersen, schweißt Schaak auch an einem Obelisken, der bei St. Jakobi den Startpunkt des Kreuzweges markiert. Beide Skulpturen erhalten eine rostige Patina – wie Schaaks Wellenlauf auf dem Schlutuper Markt.

Jo Kley, Bildhauer aus Kiel, lässt seine Skulptur aus dem rauhen Fels des Bohuser Granits erwachsen. Im unteren Drittel der Stele darf Kleys Stein Stein-sein, um sich dann allmählich figürlich zu entwickeln. Stilisierte, blankpolierte Knoten am Kleid des Granitklotzes verweisen auf archetypische Verbindungen und schaffen eine je eigene Interpretationsfläche für den Betrachter, der nicht zwingend religiöse Assoziationen mit der Stele verbinden soll. Ein Stein  soll vor der Herz-Jesu-Kirche stehen. Kleys zweite Skulptur kommt an die Lutherkirche.

Frede Troelsen ist kein Mann großer Worte: „Wenn die Sprache nicht reicht, dann habe ich die Skulpturen-Sprache“, sagt der humorige Däne, der nicht wie Kley Leinen, Knoten und Verbindungenschafft, sondern einen eigenwillgen Verbund aus quadratischen Symbolen, die kubisch ineinander greifen aus dem Stein schneidet. Troelsens Stelen werden Stationen des Kreuzweges an der Jugendherberge und am Jerusalemsberg markieren. Die Stele am Jerusalemsberg, sie werde der Länge nach im Grass liegen, verrät der Bildhauer.

Karin van Ommeren und Winnie Schaaks Skulpturen haben eine ähnliche Formensprache. Auch deshalb stehen die Skulpturen beider Künstler in einer holländischen Galerie. Durch das Bildhauersymposium begegnen sich die beiden Künstler erstmals persönlich. Van Ommeren kehrt die Innenseite ihrer Granitkunst nach Aussen und schafft so Durchbrüche und Durchblicke in sich widersprüchlicher Formen, die sich harmonisch verbinden. Vor der JVA und am Gustav-Radbruch-Platz werden Karin van Ommerens Stelen stehen.                  Jel

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