Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 20. Oktober 2017

Ausgabe vom 20. August 2013

Drei Fahnen erinnern an den Holocaust

Künstlerin entwirft luftiges Memorial für den Vorplatz des Lübecker Bahnhofes

Es sind keine staatstragenden Fahnen, die vor dem Lübecker Hauptbahnhof an beiläufiger Stelle im Wind wehen werden. Die in Lübeck und New York lebende Künstlerin Ute Friederike Jürß will Trauerfloor vor dem Lübecker Hauptbahnhof flaggen lassen. „Platz der Deportierten Menschenwürde„ steht auf einer der drei Fahnen, die an den Holocaust erinnern sollen.

Jürß hat ihren Entwurf, ein Mini-Modell, in der vergangenen Woche erstmals im Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege der Öffentlichkeit vorgestellt.
Kultursenatorin Annette Borns erklärte zuvor, dass die Stadt seit 2008 ein Gendenkzeichen auf dem Bahnhofsvorplatz plane, um an die Deportation zu erinnnern. Dazu habe die Stadt einen Künstler-Wettbewerb ausgeschrieben und eine Jury habe sich einhellig für den Entwurf von Ute Friederike Jürß entschieden. Jürß hat kein gewöhnliches Mahnmal erfunden, keinen Stein des Anstoßes und auch keinen Stolperstein des Gedenkens. Ute Friederike Jürß baut ihre abstraktes Gedenkzeichen an den Holocaust in den Luftraum, indem sie drei illuminierte Fahnen mit biografischen, handgeschriebenen Textfragmenten Deportierter in den Himmel wachsen lässt. Acht Fahnen mit unterschiedlichen Zitaten sollen an abwechselnden Terminen an Deportation und systematische Entwürdigung erinnern. „Der Platz ist von Beiläufigkeit gezeichnet, ein Platz an dem Gedenken schwierig ist. Nichts was Ruhe bedeutet“, sagt Jürß, die das bleierne Schweigen der Holocaust-Opfer in authentischen Lettern in den Himmel schreiben will.

Welchen Anteil die Bahn beitragen werde, das ließ die Künstlerin offen. Bahn-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis erklärte auf Anfrage der Stadtzeitung, dass sich die Bahn seit langem für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Holocaust einsetze und 2010 die Wanderausstellung „Sonderzüge in den Tod“ im Lübecker Kulturforum Burgkloster zu sehen gewesen war.             Jel

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