Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 20. Oktober 2017

Ausgabe vom 03. September 2013

Bürgerschaft stoppt Kailine

Bausenator Boden: Ein irreparabler Schaden für die Hansestadt Lübeck

Lübecks Millionen-Vorhaben auf der nördlichen Wallhalbinsel ist gestoppt. Die Bürgerschaft hat in der vergangenen Sitzung mit den Stimmen von CDU, Grüne, Linke, Freie Wähler und Die Partei gegen die geplante Bebauung der Kailine gestimmt und sich so  für den Erhalt der Hafenschuppen entschieden.

SPD, FDP, der Pirat Oliver Dedow sowie der Grüne Carl Howe stimmten nach einem Rede-Marathon für das Konzept der Schleswiger Investoren Volker Schlüschen und Dr. Jürgen Wernekinck. Die Investoren planen  für 150 Millionen Euro Luxuswohnungen und Gewerbeflächen an Lübecks Kaikante. Nach dem Kailine-Stopp will Schlüschen die Stadt auf Schadensersatz verklagen. Lübecks Bürgerschaft will einen Bürger-entscheid in Sachen Kailine prüfen lassen.

In der über vierstündigen Redeschlacht um die Zukunft der nördlichen Wallhalbinsel kämpften die politischen Gegner mit allen Mitteln. Mehrmals musste die Sitzung wegen persönlicher Entgleisungen unterbrochen und der Ältestenbeirat einberufen werden. Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe fragte: „Was ist hier eigentlich der Kern der Debatte?“ Eine unheilige Allianz aus Investitionsverhinderern stelle den Standort in Frage, obwohl die Stadt gegenüber dem Investor Verpflichtungen eingegangen sei und es einen rechtskräftigen B-Plan gebe.

„Jetzt müssen wir über Schadensersatz reden, anstatt die  Wirtschaft in Lübeck voranzutreiben“, sagte Saxe. Scharfe Töne kamen auch von Wirtschaftssenator Sven Schindler: „Es ist ein historisch schwarzer Tag für Lübeck.“ Die positiven Perspektiven, die in der Hansestadt Lübeck erarbeitet worden sind, sie würden mit Füßen getreten. Nach Negativschlagzeilen in der Tagespresse habe ein anderer Investor gefragt, was denn los sei – in Lübeck. Bausenator Boden regiert erschüttert: Wenn man ein Projekt mit dieser Qualität mal so eben in die Trave schiebt, dann ist das für mich eine der herbsten Entscheidungen, die ich in elf Jahren in Lübeck erlebt habe.“ Kailine-Investor Volker Schlüschen verfolgte die  langwierige Abstimmung in der Bürgerschaft. „Wir sind vorgeführt worden und lassen uns nicht für einen privaten Rachefeldzug von einem Herrn Zander vors Geschirr spannen“, sagte Schlüschen nach der Sitzung.

CDU-Chef Andreas Zander sprach indes von einem historischen Tag für Lübeck. Die Bürgerschaft habe eine kluge, ja weise Entscheidung getroffen. Es sei folgerichtig, das Grüne und Linke ihre Position zur Kailine überdacht haben. Davor ziehe er persönlich den Hut.

Die Genossen hingegen, hätten noch nicht verstanden, dass sich die Zeiten seit Stuttgart 21 geändert haben und größere Bauprojekte nur noch mit großem Konsens und öffentlicher Beteiligung möglich seien. Hauke Wegner (CDU) legte mit Blick auf die aus seiner Sicht erhaltenswerte Industriekultur nach: „Das was die Abrissfreunde vorhaben, wird vor dem Urteil heutiger und noch künftiger Generationen keinen Bestand haben.“              Jel

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