Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 17. September 2013

„Wir brauchen die schnelle Eingreiftruppe“

Lübecks Fahrradbeauftragter Hans-Walter Fechtel fordert rasche Neubesetzung

SZ: Ende Oktober endet ihre Amtszeit als Fahrradbeauftragter der Hansestadt Lübeck. Sie haben das Konzept „Fahrradfreundliches Lübeck“ auf den Weg gebracht. Was geschieht jetzt mit den Ergebnissen?

Das Konzept wartet auf seine Umsetzung. Ich habe jede Menge Baumaßnahmen für den nächsten Haushalt angemeldet.

Weitere Arbeitsschwerpunkte sind die Freigabe von Einbahnstraßen für Radgegenverkehr und die Überprüfung der Radwegebenutzungspflicht.  Es wird also weitergehen mit der Radverkehsförderung in Lübeck, aber die Politik muss sich, was die Finanzierung anbelangt, bald erklären.

 

SZ: Was hat Vorrang?

Die Roeckstraße. Die Radwege sind in einem sehr schlechten Zustand. Dann auch der Radweg an der Travemünder Landstraße in Kücknitz. Der Weg ist ebenfalls in einem sehr schlechten Zustand. Die Radwegweisung muss weitergehen. Ende 2014 soll es eine stadtweite Wegweisung geben, die dann auch einen Werbeeffekt für den Radverkehr hat.

 

SZ: Sind all die Schilder denn wichtiger als ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof?

Das ist ein singuläres Projekt. Da hinken wir sicher hinter anderen Städten hinterher, weil wir keine eigenen Flächen unmittelbar am Bahnhof haben. Die Bahn muss mitspielen und es ist ein Kostenfaktor. Das Ganze kostet 1,7 Millionen Euro mit allem drum und dran. Das Fahradparkhaus sehe ich wegen der Liegenschaften in den nächsten Jahren aber noch nicht.

 

SZ: Was lässt sich innerhalb der Verwaltung verbessern?

Wir arbeiten sehr sektoral – wegen der dünnen Personaldecke und der Vielzahl der Bauaufgaben sind kurzfristige Abstimmungen schwierig. Wir brauchen aber eine schnelle Eingreiftruppe beim Bereich Stadtgrün und Verkehr, also zwei, drei Leute, die kurzfristig akute Schäden an Radwegen reparieren, damit die Bevölkerung sieht, das auch was passiert.

 

SZ: Lübeck braucht also eine Task-Force für kaputte Radwege?

Genau. Ein Bautrupp der Schlaglöcher, Bordsteinabsenkungen und Baumwurzelaufbrüche kurzfristig beseitigt.

 

SZ: Grundhafte Sanierung verkauft sich aber besser als Flickerei?!

Richtig. Grundhafte Sanierung bedeutet bei Radwegen aber oft, dass wir die Gehwege und die Straßenbeleuchtung mit anfassen müssen – das sind dann ganz andere Kosten, die entstehen.

 

SZ: Welche Rolle spielt Bürgerbeteiligung in ihrem Konzept?

Eine große Rolle. Da habe ich mir immer viel Mühe gegeben. Die Bürgerrunden in den Stadtteilen fragen schon mal an, und ich war auch oft vor Ort. Aber Stadtteilrunden bedeuten auch Stadtteilprobleme. Da kommt dann auch viel Kleinkram zusammen: ein Fall für die schnelle Eingreiftruppe!

 

SZ: Mit was für einem Gefühl verlassen Sie Ihre Stelle als Fahrradbeauftragter?

Ich habe der Stadt so etwas wie ein fachliches Vermächtnis hinterlassen. Die Projekte sind benannt. Mein Nachfolger kann auf dem Bericht gut aufbauen, weil da alles drinsteht. Entscheidend für Lübeck ist, dass zeitnah ein Nachfolger, ein neuer Antreiber gefunden wird. Denn bei einer Vakanz kommt man schwer wieder in die Gänge. Ich stehe grundsätzlich weiterhin zur Beantwortung von Fragen zur Verfügung, bin aber ab Jahresende nicht  mehr in Lübeck, weil ich meinen Lebensmittelpunkt in Braunschweig habe. Entscheidend für den nachhaltigen Erfolg von Radverkehrsförderung ist die Kontinuität bei der Umsetzung des Programms, denn nur so lassen sich die zentralen Ziele erreichen.

 

SZ: Welche Tipps haben Sie für Ihren Nachfolger?

Zeige Dich der Bevölkerung und fahre Rad. Was mein Nachfolger anders machen müsste: Er müsste fordernder sein. In der Auseinandersetzung mit den Strassenbauern und der Politik muss man entschiedener  und hartnäckiger  sein. Der Runde Tisch Fahrradverkehr muss unbedingt weitergeführt werden, um Verbände wie den ADFC und die Politik rechtzeitig einzubinden.

 

SZ: Gibt es noch Etwas, das Ihnen wichtig ist?

2020 wollen wir 25 Prozent Radverkehrsanteil in Lübeck haben. Das ist mit aller Macht anzustreben – und die Unfälle müssen reduziert werden. Daran wird sich auch der künftige Lübecker Fahrradbeauftragte messen lassen (müssen).

          Interview: jel

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