Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 19. August 2019

Ausgabe vom 29. September 1998

Lübeck im Bundestrend

Keine Überraschungen im Wahlkreis 11 - Wähler haben differenziert

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Ergebnisse der Bundestagswahlen seit 1980: Während sich die kleineren Parteien seit der letzten Wahl weiter angenähert haben, wurde der Abstand zwischen den großen Pareteien wieder größer; SZ-Grafik

Aus Lübecker Sicht war die Bundestagswahl am Sonntag abend um 23 Uhr Geschichte. Zu dieser Stunde trudelte das letzte Wahlbezirksergebnis im Rechenzentrum ein. Aber die Spannung war bereits Stunden vorher der Freude oder der Trauer gewichen. Denn bereits mit Bekanntgabe der ersten Ergebnisse aus den insgesamt 173 Wahlbezirken war klar, daß Reinhold Hiller (SPD) erneut den Wahlkreis direkt gewonnen hatte. Mehr noch: Beflügelt vom Bundestrend, konnte der Politiker sein Ergebnis von 1994 noch um 5,7 Prozent steigern und erreichte 51,4 Prozent der Erststimmen. "Damit habe ich in meinen künsten Träumen nicht gerechnet", war die erste Reaktion des strahleden Siegers. Die Verantwortung sei mit diesem Wählervotum gesteigert worden. Er werde sich dieser Verantwortung würdig erweisen und Lübeck in den Mittelpunkt seiner politischen Arbeit stellen, betonte der alte und neue Wahlkreisgewinner.

Seine Kontrahentin von der CDU, Anke Eymer, hatte indes wenig Grund zur Freude. Auch sie wurde vom negativen Bundestrend ihrer Partei mitgerissen. Eymer verlor 5,2 Prozent und erreichte nur noch 37,3 Prozent der Erststimmen.

Aufgrund des schlechten Ergebnisses der CDU auf Landesebene - die SPD wurde nach 18 Jahren zum ersten Mal wieder stärkste Partei - mußte die Lübecker Bundestagsabgeordnete sogar eine Zeitlang um ihren Wiedereinzug in das Bundesparlament zittern. Schließlich aber reichte der Platz sechs auf der Landesliste doch noch zum Wiedereinzug. Lübeck wird damit auch im 14. Deutschen Bundestag von zwei Abgeordneten vertreten.

Einen Trost gibt es für Anke Eymer dennoch: Ihr Erststimmenergebnis liegt 4,7 Prozent über dem Zweitstimmenergebnis ihrer Partei in Lübeck (32,6 Prozent). Die Wählerinnen und Wähler haben also deutlich zwischen dem Einsatz der Abgeordneten für ihren Wahlkreis und dem Wunsch nach einem politischen Wechsel auf Bundesebene unterschieden. Die Wahlbeteiligung lag mit 78,5 Prozent fast vier Prozent unter Bundesdurchschnitt (82,3 ).

Anders als bei der Kommunalwahl im März lichteten sich im Großen Börsensaal des Rathauses, in dem der Bereich Statistik und Wahlen wiederum die einzelnen Ergebnisse aus den Wahlbezirken auf eine Großbildleinwand projezierte, schon früh die Reihen.

Nach der Prognose um Punkt 18 Uhr für das Ergebnis auf Bundesebene war klar, daß das vorhergesagte Kopf-an-Kopf-Rennen der großen Parteien ausbleiben würde. Und nach Bekanntgabe der ersten Ergebnisse aus den Wahlbezirken stand ebenfalls noch vor 19 Uhr fest, daß auch vor Ort keine Überraschungen zu erwarten sind. Überrascht waren die Kandidatinnen und Kandidaten lediglich von den doch von Anfang an eindeutigen Ergebnissen.

Der Bereich Statistik und Wahlen hat bei dieser Wahl wiederum seine Kompetenz und Schnelligkeit unter Beweis gestellt, dennoch ist Bereichsleiter Heinz Meußler über die Zusammenlegung von Bundestagswahl und Volksentscheid zur Rechtschreibreform nicht glücklich gewesen.

Nicht nur die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten entsprechend länger mit der Auszählung zu tun, sondern vor allem die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die für ihre ganztägige Tätigkeit lediglich eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 50 Mark erhalten. "Das kann man den Leuten eigentlich nicht mehr zumuten", so Meußler.

Dann brauche man sich auch nicht zu wundern, wenn es immer schwerer werde, Helfer für die Wahhlen zu bekommen.

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