Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. April 2019

Ausgabe vom 13. Oktober 1998

Aqua Top bleibt ein Sorgenkind

Stadtwerke: Jährlich 4,7 bis 6,9 Millionen Mark für Bädersanierung nötig

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Vorzeigebad mit Mängeln: das Aqua Top in Travemünde; Foto: Aqua Top

"Es gibt viel zu tun; packen wir's an", spornt Jürgen-Dieter Hennig, seit Ende 1997 zuständig für die technischen Anlagen der Schwimmbäder, in der stadtwerkeinternen Zeitung "Wir über uns" die Mitarbeiter der Stadtwerke und der Schwimmbäder GmbH an. "Die waren teilweise schon recht frustriert wegen des desolaten Zustands der Bäder. Sie sollen nun sehen, daß es weitergeht und daß Aufträge für Instandsetzungsarbeiten für die Betriebspause im November vergeben werden."

Dem Stadtwerkeausschuß legte Hennig vergangene Woche einen Bericht darüber vor, wie weit der Bürgerschaftsbeschluß gediehen ist, die Lübecker Schwimmbäder und Flußbadeanstalten auf die Stadtwerke zu übertragen und welche Schwierigkeiten damit verbunden sind.

Totalsanierung unumgänglich

Bei "vorsichtiger Kalkulation" würden in den nächsten vier Jahren für die Sanierungsarbeiten in allen Lübecker Schwimmbädern und Flußbadeanstalten pro Jahr zwischen 4,7 bis 6,9 Millionen Mark für Instandsetzung und Modernisierung der technischen Anlagen benötigt. Sorgenkind Nummer eins bleibe mit Abstand das Aqua Top. Eine Totalsanierung des Thermalbades im Jahr 2000 - Kostenpunkt mindestens drei Millionen Mark - sei unumgänglich. Es sei deutlich geworden, daß in der Vergangenheit nur sehr geringe Mittel für die Instandhaltung der Gebäude und technischen Anlagen zur Verfügung gestellt wurden. Nun müsse investiert werden, um alle Bäder in einen guten Zustand zu versetzen.

Eine Chance, für das Erlebnisbad einen privaten Betrieber zu finden, sieht er nicht: "Die Konkurrenz ist durch das Bad in Scharbeutz einfach zu nahe." Das Aqua Top müsse aber in jedem Fall erhalten bleiben: "So etwas erwarten die Kurgäste heute von einem Ostseebad."

Dieser Meinung ist auch Stadtwerkeausschußvorsitzender Ulrich Pluschkell (SPD): "Gerade in einem schlechten Sommer wie in diesem Jahr braucht Travemünde einen Saisonausgleich." Allerdings müsse das Bad umgebaut werden, um konkurrenzfähig zu werden. Die Suche nach einem Partner, der das Bad zu zehn bis 100 Prozent übernehme und in den Umbau investiere, sei daher "nicht verkehrt".

Pluschkell wies darauf hin, daß die Stadtwerke "nicht auf der Altlastensanierung sitzenbleiben" dürften. "Die Mittel für 1999 sollten daher im städtischen Haushaltsplan bereitgestellt werden." Auch Hennig hält dies für die "sauberste Lösung". Die Stadt als Eigentümerin der Stadtwerke müsse ohnehin ausgleichen, wenn die Verluste nicht zu decken seien. "Für die Liquidität der Stadtwerke ist diese Lösung besser, als wenn die Stadt die Defizite über den Nachtragshaushalt ausgleicht."

Laut Pluschkell habe der Bürgermeister signalisiert, daß die erforderlichen Mittel im Haushalt bereitgestellt würden. Michael Bouteiller gegenüber der SZ: "Nicht alle Fehlbeträge können den Stadtwerken angerechnet werden. Für die Defizitabdeckung kommt die Stadt auf. Allerdings muß erst gründlich untersucht werden, ob und welche Sanierungsarbeiten notwendig sind."

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