Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 18. April 2019

Ausgabe vom 13. Oktober 1998

Theaterporträts

Ein Quereinsteiger

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Klaus Esch; Foto: TL

Der Sänger Klaus Esch

In dieser Rubrik stellen wir jede Woche ein Mitglied des Ensembles am Theater Lübeck vor. Heute: Der Sänger Klaus Esch

In der Sesamstraße heißt er Samson und trägt einen Pelz, in Lübeck heißt er Klaus Esch und singt als erste Partie den Koch in Serge Prokofieffs Oper "Die Liebe zu den drei Orangen". Beide Rollen sind ganz schön skurril, was dem gebürtigen Hamburger durchaus entgegenkommt - obwohl man das seiner seriösen Erscheinung von einssechs-undneunzig zunächst nicht zutraut. Mit dieser Größe ist er schwerlich ein Romeo. Also waren es nicht die Liebhaberrollen, die er bei seinen Schauspiel-Engagements in Trier, Bonn und Hamburg erhielt.

Klaus Esch wollte Regisseur werden und nahm erst einmal Schauspielunterricht. Dabei ist er auf den Geschmack und zu ersten Auftritten im Altonauer Theater gekommen. In Trier stand dann Brechts "Schwejik" (mit Songs) auf dem Plan. "Du hast eine gute Stimme", sagte ein Kollege. Esch merkte auf, nahm Gesangsunterricht in Hamburg - und stand nach ersten Erfolgen vor der Entscheidung:Oper oder Schauspiel?Er entschied sich fürs Musiktheater, konnte aber nur Stückverträge in Norddeutschland annehmen - weil seit 1992 der Sesam-Samson im Studio Hamburg nicht nur die finanzielle Basis, sondern auch fixe Termine bringt:Jede Staffel wird am Stück gedreht.In diesem Frühjahr nun wurden zwei Staffeln hintereinander aufgenommen, was Klaus Esch die Chance für sein erstes Engagement bot - in Lübeck.

Hier nun hat das Publikum die rare Gelegenheit, einen wahren Baß kennenzulernen, noch dazu einen deutschen. Mit dem "Orangen"-Koch gab Esch sängerisch wie spielerisch eine überzeugende Probe seines fundierten Könnens.

Drei weitere schöne Aufgaben warten in Mozarts "Entführung" (Osmin), Donizettis "Lucia" und Verdis "Falstaff" auf ihn. Sie bieten dem Quereinsteiger alle Möglichkeiten, sein Timbre reifen zu lassen. Viel Glück dabei - denn gute Bässe sind Mangelware.Güz

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