Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 22. August 2019

Ausgabe vom 13. Oktober 1998

Gesundheit der Menschen ist der Maßstab

Tagung im finnischen Turku formuliert Ziele einer lokalen baltischen Agenda 21

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Claus Strätz (sitzend), Ralf Giercke (dahinter) in Turku; Foto: Privat

Claus Strätz vom Zentralen Controlling und Ralf Giercke von den Stadtwerken Lübeck haben kürzlich als Vertreter der Hansestadt Lübeck an einer Konferenz für gesunde und nachhaltige Städte teilgenommen, die in Turku (Finnland) stattfand. Diese Tagung fand im Rahmen der sogenannten baltischen lokalen Agenda 21statt.

Etwa 400 Vertreter der Ostseestädte und anderer Organisationen verabschiedeten ein Ergebnispaket, dessen Zusammenfassung in einer Abschlußerklärung formuliert ist. Diese festgelegten Übereinkünfte wurden unter anderem in mehreren Workshops -insbesondere zu den Bereichen gesunde Städte, Agenda-Prozesse in anderen Ostseestädten, Management des Agenda-Prozesses, Nachhaltigkeitsindikatoren und Technologien für nachhaltige Städte von morgen - diskutiert und erarbeitert.

Gesundes Städtenetzwerk

Voraussetzung für den Agenda-Prozeß sei die nachhaltige Förderung der Gesundheit und der gesunden Lebensbedingungen in den Städten der baltischen Region, hieß es auf der Tagung. Aus diesem Grunde wurde empfohlen, die Initiativen des Gesunden Städtenetzwerkes, in dem auch die Hansestadt Lübeck aktiv mitwirkt, mit dem Agenda-Prozeß zu verknüpfen.

Die Gesundheit der Menschen sowie die Förderung der Gesunderhaltung am Arbeitsplatz wurden als elementare Bestandteile einer Agenda aufgenommen. Das "Gesunde Städtenetzwerk" wurde beauftragt, bis zur Europäischen Konferenz im Jahre 2000 ein Gesamtkonzept im Rahmen der baltischen lokalen Agenda 21 auszuarbeiten.

In einem Workshop wurde im wesentlichen die "Bremer Erklärung" vorgestellt. Sie umfaßt die neue Partnerschaft "Business und Agenda" zur Nutzung der Management-Ressourcen für den Agenda-Prozeß und zur Umsetzung der nachhaltigen Entwicklung in den Unternehmen.

Im März 1997 hatte auf Einladung des Bremer Senats eine internationale Konferenz mit Vertretern der Wirtschaft stattgefunden, um einen Lösungsansatz für die nachhaltige ökonomische Entwicklung zu finden. Diese Bremer Initiative wird inzwischen von vielen Unternehmen nicht nur in Bremen umgesetzt und gilt als Vorbild, insbesondere für die Umsetzung des Agenda-Prozesses in den Unternehmen.

In einem weiteren Workshop wurde auf die Nutzung neuer Informationstechnologien zur Vermeidung von Verkehr eingegangen. Insbesondere die nordischen Länder sowie die baltischen Staaten sehen in der Entwicklung der modernen Informationsmedien Möglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung für Stadt- und Landschaftsplanung. Rund um die Ostsee haben bisher rund 100 Städte und Regionen begonnen, eine lokale Agenda 21 auszuarbeiten. Dazu gehören: Dänemark (zehn Städte und Regionen), Estland (eine Stadt), Finnland (25 Städte und Regionen), Deutschland (35 Städte und Regionen), Lettland (eine Stadt), Litauen (zwei Städte und Regionen), Polen (fünf Städte und Regionen), die Russische Förderation (sieben Städte und Regionen) sowie Schweden (18 Städte und Regionen).

Bei der Sitzung des Ostseerates im Juni 1998 haben die Außenminister der Ostsee-Anrainerstaaten eine Agenda 21 für den Ostseeraum, die "Baltic 21" - verabschiedet. Die Initiative für diese weltweit erste regionale Agenda 21, die sich in den größeren Zusammenhang einer intensiveren Ostseekooperation nach dem Fall des Eisernen Vorhangs einfügt, ging von einem Beschluß der Regierungschefs der Ostsee-Anrainerstaaten aus. Eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Regierungsvertretern, Mitgliedern internationaler Organisationen, in der Region besonders engagierte internationale Finanzierungsinstitutionen und Nichtregierungsorganisationen, hat in bisher acht Sitzungen die konkrete Ausarbeitung dieser Agenda 21 gesteuert. Die Tagung in Turku gehörte zur weiteren Konkretisierung dieses Prozesses.

Positive Entwicklung für Lübeck

Die Zusammenarbeit der Städte im Ostseeraum führe nicht nur zu einem intensiven Meinungs- und Informationsaustausch, sondern könne auch für die nachhaltige Entwicklung der Hansestadt Lübeck positive Auswirkungen haben, betonen Strätz und Giercke.

Gespräche mit der Generaldirektion der Europäischen Union (EU) sowie deren Kommissare könnten schon bald zu Förderungsmöglichkeiten von konkreten Projekten im Lübecker Raum führen. Und mit Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde eine Zusammenarbeit im Rahmen der Union of the Baltic Cities (UBC) angedacht, um das Gesunde Städtenetzwerk auch in der Weltorganisation stärker einzubinden.

Mit Vertretern der Hansestadt Rostock haben Strätz und Giercke zudem eine engere Kooperation zwischen den Agenda-Büros Rostock und Lübeck vereinbart. Auch mit den Vertretern der lübschen Partnerstädte Klaipeda und Kotka will man künftig intensiv Informationen zum Agenda-Prozeß austauschen. Fazit der Tagung aus Lübecker Sicht: "Die bestehenden Organisationen, Netzwerke und Partnerschaften im Ostseeraum bieten eine ausgezeichnete Grundlage für die Entwicklung der Hansestadt Lübeck", so die beiden Vertreter übereinstimmend nach ihrer Rückkehr aus Finnland.

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