Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 20. April 2019

Ausgabe vom 18. November 1997

Stadtinterne Datenautobahn ?

Verwaltung erwägt Abgabe des städtischen Kabelnetzes an GmbH

"Die Datenautobahn darf mit der Modernisierung des Netzes zwischen den acht Dienstgebäuden nicht am Ende sein", finden Norbert Siegrist und Heinz-Joachim Rieckhof vom Amt für Zentrale Verwaltungsaufgaben. Schließlich sei die Stadt an insgesamt 280 Standorten vertreten - Schulen und Kindertagesstätten eingeschlossen - die immer mehr Daten zu verarbeiten hätten. "Es gibt gute Gründe, das Kabelnetz der Stadtverwaltung in die TK-Gesellschaft einzubringen."

Günstige Tarife aushandeln

Hintergrund dieses Wunsches: Eine Kapazitätserweiterung des stadteigenen Netzes ist von der Hansestadt Lübeck kaum finanzierbar. Wird dieses aber der GmbH übertragen, dann käme die Stadtverwaltung ebenfalls in den Genuß eines Netzes, in das die Stadtwerke voraussichtlich viel Geld investieren, um es für weitere Kunden nutzbar zu machen. Zudem, so die Überlegung, könnten bei der TK-Gesellschaft günstigere Tarife als bei der Telekom ausgehandelt werden.

Die Datenbelastung auf den Stadt-Kabeln steige, die Anforderungen an deren Leistungsfähigkeit könne die Stadt aber schwer finanzieren.

Warum, so fragen sich der Leiter der Abteilung Informationstechnik Siegrist und sein Mitarbeiter Rieckhof, sollte das Netz nur für städtische Belange genutzt werden? Schließlich könne die GmbH, wenn sich die Kapazitätserweiterung erst einmal amortisiert habe, Gewinne einfahren, indem sie das Netz nicht nur der Stadt, sondern auch anderen Kunden rund um die Uhr zur Verfügung stelle.

Da es sich bei dieser Entscheidung laut Rieckhof um eine "schwerwiegende strategische Angelegenheit" handele, ist nach Auffassung der Mitarbeiter der Informationstechnik und von Henning Junge, Mitglied im Stab des Bürgermeisters, zunächst eine Abstimmung notwendig. Es sind technische Details, steuerliche und rechtliche Aspekte auszuloten sowie Tarifangebote unterschiedlicher Anbieter abzuwägen.

Wert des Stadtnetzes ermitteln

Auch Bedenken gegen diesen Schritt müssen abgewogen werden, denn schließlich hätte die Stadt im Falle der Übernahme des Netzes durch die Stadtwerke keine direkten Zugriffsmöglichkeiten mehr auf das Netz.

Sie könnte aber immer noch Einfluß über das Mitspracherecht in der Gesellschafterversammlung des neuen Unternehmens nehmen. "Voraussetzung für eine angemessene Beteiligung der Stadt ist eine Wertermittlung des Netzes", so Siegrist.

Die Verwaltung wird das Thema aufarbeiten, Vor- und Nachteile zusammenstellen und dem Bürgermeister einen Beschlußvorschlag vorlegen.

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