Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 20. August 2019

Ausgabe vom 18. November 1997

Ein Bruchteil kommt ins Kino

Rückblick auf die 39. Nordischen Filmtage Lübeck - Besucherrekord

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Junk Mail: Beliebter Debütfilm des Finnen Pål Sletaune; Foto:NFT

Mit den Nordischen Filmtagen leistet Lübeck einsame Pionierarbeit. Nur ein Bruchteil der gezeigten Filme kommt anschließend bundesweit in die Kinos. Von Island bis Estland arbeiten viele hervorragende Filmemacher, die in ihren Ländern enormen Besucherzahlen haben. In Deutschland sind ihre Filme nur in Lübeck zu sehen. Nordische Filme glauben deutsche Filmverleiher und Kinobetreiber, sind nicht gefragt. Zu 75 Prozent setzen sie auf US-amerikanische Kassenschlager, die nur ein Kriterium kennen: die Interessen von vielen Kinogängern unter einen Hut zu bekommen. Die Folge ist, daß die Filme sich immer ähnlicher werden: ein bißchen Sex, ein bißchen Crime, ein bißchen Tiefgang.

Daß diese Gleichschaltung vielen nicht gefällt, zeigt der Besucheran-
drang bei den Nordischen Filmtagen. Der Rekord von 10 000 Besuchern im letzten Jahr wurde dieses Mal noch übertroffen. Die Nordischen Filmtage Lübeck zeigen, wie anders Kino sein kann. Wie sachlich und undramatisch der junge Finne Jarmo Lampela Drogen und Gewalt thematisiert und dabei durch einen videoclipartigen Stil die Sicht der Jugendlichen widerspiegelt ("Freakin' Beautiful World"). Oder wie wütend der Schwede Stefan Jarl die Zerstörung der Natur ins Visier nimmt und dabei auch vor der Militanz seines 13jährigen Filmhelden nicht zurückschreckt. ("Ich bin dein Krieger"). Beide Filme werden es schwer haben im deutschen Verleih.

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