Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. April 2019

Ausgabe vom 01. Dezember 1998

Ein Pferd auf der Autobahn

A 20: Archäologen fördern Siedlungsfunde aus grauer Vorzeit zutage

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Alfred Falk untersucht das Pferdeskelett; Foto: T. Wewer; Montage: SZ

Der Bau der Ostsee-Autobahn hat den Bereich Archäologie der Hansestadt Lübeck auf den Plan gerufen. "Die Erfahrung beim Bau der B 75 in den 80er Jahren erlauben die Voraussage, daß mit einer Vielzahl von Fundstellen auf der Trasse der A 20 zu rechnen ist", erläutert Alfred Falk, stellvertretender Bereichsleiter, das städtische Interesse. Und tatsächlich: In dem etwa vier Kilometer langen ersten Teilstück zwischen Niendorf und Kronsforder Landstraße sind bisher etwa 45 Fundstellen bekannt, die auf eine intensive Besiedlung von der jüngeren Steinzeit bis in das Mittelalter schließen lassen.

Bisher haben auf einigen Fundplätzen und im Bereich der bereits entstandenen Baustraßen am Oberbüssauer Weg und an der Kronsforder Landstraße Begehungen stattgefunden. An einer Fundstelle, auf der vor über sechzig Jahren ein vorgeschichtlicher Urnenfriedhof entdeckt wurde, haben die Mitarbeiter Probeschnitte angelegt, die an zwei Stellen Überreste von Keramikgefäßen erbrachten. In einem Fall handelt es sich um den Rest einer Urne aus der Bronzezeit. Im anderen Fall ist es wahrscheinlich der Rest eines eisenzeitlichen Vorratsgefäßes.

Fördergelder vom Arbeitsamt

Seit Mitte Oktober sind zwei Arbeitsgruppen, bestehend aus Wissenschaftlern, Technikern und Grabungsarbeitern in dem Gebiet tätig - und haben dieser Tage unter anderem ein Pferdeskelett zutage gefördert.

Zunächst hatten die Archäologen auf eine Bestattung getippt, was durchaus möglich gewesen wäre, weil unsere Vorfahren Pferde wie Menschen beerdigt haben. Doch nach weitergehenden Untersuchungen ist Falk mittlerweile sicher, daß das Tier eher zufällig an dieser Stelle sein Lebensende gefunden hat. Es dürfte sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch um ein - archäologisch betrachtet - junges Pferd handeln, das heißt, daß es aus diesem Jahrhundert stammt. Immerhin: Falk hat angeordnet, die Überreste vollständig auszugraben. Möglicherweise wird es dann irgendwann sogar im Musem für Natur und Umwelt zu sehen sein.

Die archäologischen Arbeiten im Trassenbereich sind mit dem wenigen festen Personal des Bereiches Archäologie nicht zu leisten. Die Sonderaufgaben können nur mit Hilfe des Arbeitsamtes im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bewältigt werden. Das Arbeitsamt Lübeck fördert das Projekt, mit dem zwölf ehemals Arbeitslose eine Beschäftigung gefunden haben, mit knapp einer halben Million Mark. Die Maßnahmen sind zunächst auf ein Jahr befristet. Es bestehen jedoch gute Chancen, daß sie auch darüber hinaus weitergeführt werden.

Mit dem Bauherrn, dem Straßenneubauamt Eutin, und den Baufirmen ist die Beteiligung der Archäologen am Bauvorhaben abgesprochen worden. Das Straßenneubauamt Eutin unterstützt den Bereich Archäologie durch die Bereitstellung von Bauplänen und Vermessungsunterlagen.

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