Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 25. April 2019

Ausgabe vom 18. November 1997

Masten verlassen das Schiff

Zweite Phase der Sanierung des Großseglers - Passat- beginnt

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Lübecks Viermastbark ,,Passat'' nach dem Ausdocken.; Foto: O.F.H. Kasch

In dieser Woche ist es so weit: Die Takelage ist fast vollständig entfernt, Fock-, Groß- und Kreuzmast der "Passat" werden demontiert und zur Überholung in die große Reparaturhalle der Flender-Werft gebracht. Bereits "gezogen" wurden Besanmast und Bugspriet. Damit beginnt die zweite Phase der am 3. August begonnenen Generalsanierung des Lübecker Flaggschiffes, das inzwischen wieder Wasser unter seinem Kiel hat.

1000 Löcher im Blech

In der ersten Novemberwoche wurde die 1911 bei Blohm & Voss in Hamburg gebaute Viermastbark nach der Konservierung des Rumpfes aus dem Trockendock gezogen und am Ausrüstungskai vertäut.

Fast 5000 der insgesamt 24 000 Nietköpfe mußten von außen nachgeschweißt werden - doppelt so viele, wie vorgesehen. Der Rost hatte fast 1000 Löcher in die Bleche des einstigen Frachtenseglers gefressen, der 1959 von der Hansestadt Lübeck für 315 000 Mark gekauft wurde. Rost und Löcher sind beseitigt, inzwischen glänzt der 8000 Quadratmeter große stählerne Schiffsrumpf wieder in den Farben der Hansestadt - weiß und rot. Zweifach sandgestrahlt, grundiert und mit vier Farbschichten versehen ist der Rumpf nun dauerhaft konserviert.

Der seit 1978 denkmalgeschützte Rahsegler ist an seinem Liegeplatz im Travemünder Passathafen längst zur Attraktion für Touristen, Schulen und Vereine geworden. Wer mag, kann sich im Allerheiligsten des Schiffes, dem Kapitänssalon, oder aber in der Messe trauen lassen. Vereine und Firmen nutzen das maritime Ambiente gerne für Veranstaltungen und Tagungen. Luke 2 bietet Platz für 120 Personen, in der Messe sind 40 Plätze, Schulklassen quartieren sich mit Begeisterung in die 98 Kammern des Schiffes ein.

Sportamt verwaltet die Bark

"Das fördert auch den Gemeinsinn, denn die Jugendlichen sind verantwortlich für die Ordnung und die Verpflegung an Bord", sagt Sportamtsleiter Klaus-Dieter Schulz, dessen Amt für die Verwaltung der Bark verantwortlich ist. Eine ständige Restauration an Bord gibt es nicht. Schulz: "Damit wären zu umfangreiche Auflagen zu erfüllen, außerdem wäre ein Restaurantbetrieb wegen der räumlichen Enge mit der gleichzeitigen Unterbringung von Gruppen in keinem Fall vereinbar."

60000 Besucher im Jahr

Ein Schiff wie die "Passat" kostet natürlich Geld. Insgesamt 17 Millionen Mark wurden bisher investiert. Dazu kommen jetzt noch einmal 6,7 Millionen Mark für die Generalsanierung. Dem gegenüber stehen jährliche Einnahmen von rund 440000 Mark, im vergangenen Jahr kamen immerhin 60 000 Besucher an Bord. Das Amt registrierte zudem 8000 Übernachtungen auf der einzigartigen schwimmenden Jugendherberge.

Nach der Sanierung, die im Mai 1998 abgeschlossen sein soll, wird die "Passat" über einen zweiten Ein- und Ausgang verfügen, der das Betreten erleichtert. Dann wird die Viermastbark, die am 24. Dezember 1911 ihre erste und 1957 ihre letzte Reise antrat, mit dem Bug voran zur Ostsee festmachen. Bis dahin werden auch die beiden Anker geborgen sein, die immer noch auf dem Travegrund liegen. Sie sollen später einmal an Deck aufgestellt werden.

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