Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ausgabe vom 23. Februar 1999

SPD kritisiert selbstherrliches Vorgehen der Umweltsenatorin

SPD

Mit großer Verwunderung und Verärgerung haben wir aus der Presse erfahren müssen, daß im Süden Lübecks auf Ini- tiative der Umweltsenatorin Dr. Beate Hoffmann enorme Umwandlungen geplant sind. Ein italienischer Landschaftsarchitekt soll mit der gestalterischen Überplanung von rund einem Sechstel des Lübecker Stadtgebietes beauftragt worden sein und erste Ergebnisse vorgelegt haben. Die Erarbeitung des Gestaltungskonzeptes soll durch eine großzügige Spende unterstützt worden sein, die Projektplanung sei bereits durch Anteilsfinanzierung vom Ministerium für ländliche Räume gesichert.

Warum wurden die politischen Gremien nicht von diesen weitreichenden Plänen informiert? Es ist ein Skandal, daß die Umweltsenatorin an der Bürgerschaft vorbei in so wesentlichen städtischen Belangen tätig wird. Offensichtlich hat es noch nicht einmal eine verwaltungsinterne Abstimmung gegeben. Wie kann es sonst sein, daß nach Aussagen des italienischen Landschaftsarchitekten zwischen der Berliner Straße und dem Gut Mönkhof ein Grünzug als doppelte Allee vorgesehen ist, obwohl hier die B 207 (neu) verlaufen soll. Die Anregung des Architekten, rund 50 Reiterhöfe im Süden Lübecks in ein Naherholungskonzept einzubeziehen, wurde ebenfalls in keinem Ausschuß diskutiert. Von einer Neuordnung der ländlichen Räume und einer Flurbereinigung ist in den Gremien nicht ausreichend berichtet worden. Offengelassen hat Frau Dr. Hoffmann, was nach ihren Vorstellungen aus den von der Bürgerschaft beschlossenen wichtigen Infrastrukturvorhaben werden soll, die in den betroffenen Gebieten geplant sind. Das betrifft in erster Linie den Hochschulstadtteil und seine Verkehrserschließung durch die B 207 (neu), die in den Planungen des Landschaftsarchitekten nicht mehr vorkommt.

Es geht aber auch um das Gewerbegebiet Genin-Süd, um den Flughafen Blankensee und den zugehörigen Airport-Business-Park, um den Elbe-Lübeck-Kanal und die Elektrifizierung der Bahnverbindung nach Süden. Ungeklärt ist auch, ob sich bestehende Planungen zur Erweiterung der Deponie Niemark mit den Vorhaben des Landschaftsgärtners vereinbaren lassen.

Bisher war es üblich, daß die jeweiligen Fachausschüsse in die Planungsprozesse eingebunden waren. Vielleicht ist es in Potsdam anders, in Lübeck behält sich immer noch die Politik die Steuerung vor. Frau Dr. Hoffmann operiert losgelöst von demokratischen Spielregeln. So stellen wir uns eine Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung nicht vor.

V.i.S.d.P.: Dietrich Szameit

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de