Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 21. März 2019

Ausgabe vom 02. März 1999

Kulturporträt

Mit Bodenhaftung

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Dr. Manfred Gläser; Foto: SZ

Lübecks Chef-Archäologe Dr. Manfred Gläser

Die Sensibilisierung für sein Fach sei leicht, sagt Dr. Manfred Gläser, Lübecks kundiger Bodendenkmalpfleger und Chef-Archäologe. Denn die großen und kleinen Fundstücke, die Häuser, Brunnen und ganze Wallanlagen seien ja keineswegs pure Theorie, sondern zum Anfassen. Die unmittelbare Identifikation mit der Geschichte beflügle letztlich auch die Phantasie.

Der gebürtige Bremer studierte Geschichte in Hamburg, promovierte über die "Slawen in Ostholstein", was nicht ohne Bodenberührung abging. Er studierte auch bei Prof. Fehring, seinem Vorgänger in Lübeck, der ihn dann in die Hansestadt holte. Dazwischen - von 1991 bis `94 - leitete Gläser das Kulturhistorische Museum in Rostock, um wieder an die Trave zurückzukehren - und den Lehrauftrag für Archäologie an der Uni Hamburg mit dem an der Uni Kiel zu tauschen.

"Lübeck ist das Zentrum der Mittelalter-Archäologie in Nordeuropa - entsprechend seiner historischen Bedeutung der Hansezeit." Hinter diesem Satz steht weniger Stolz als die Verantwortung vor einer enormen Aufgabe. Lübeck ist die einzige Stadt, die Bodendenkmalpflege als autonomen Bereich führt. In guter Kooperation der oberen Denkmalschutzbehörde und aller Beteiligten in der Hansestadt wird der Bedeutung des Unesco-Weltkulturerbes entsprochen. Gläser: "Wir haben weniger das Problem der überregionalen Akzeptanz als jenes, der Bevölkerung zu vermitteln, welch große wissenschaftliche und kulturhistorische Arbeit hier in und für Lübeck geleistet wird."

Mit der praktischen und auswerten- den Arbeit im Bereich Bodendenkmalpflege sind 62 Menschen beschäftigt, davon "lediglich sechseinhalb Festangestellte". Nach den wahrhaft grundlegenden Jahrzehnten unter Dr. Neugebauer und Prof. Fehring wird unverdrossen weitergeforscht. 1,5 Prozent Alt-Lübecks sind überhaupt erst ausgegraben, und schon füllen die wissenschaftlichen Ergebnisse 25 dicke Bände. Die regelmäßigen Berichte, Konferenzen und Ausstellungen geben eindrucksvolle Kunde davon. Doch das größte Magazin in Nordeuropa mit rund drei Millionen Fundstücken will dauerhaft repräsentiert sein. Gläser hofft daher, daß sich der Plan eines Archäologischen Museums für Lübeck im Beichthaus des Kulturforums Burgkloster bald erfüllen läßt.Güz

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