Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 18. August 2019

Ausgabe vom 09. März 1999

Stets aktuelles Stück

Kammerspiele: "Biografie. Ein Spiel" von Frisch

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n Gerhard von Kügelgen schuf dieses Porträt des 59jährigen Johann Wolfgang von Goethe. Ein Beispiel aus der Ausstellung "Von Rom bis Rothenburg" im St.Annen-Museum (nur noch bis Sonntag, 14. März); Foto: Katalog

Max Frisch, der neben Friedrich Dürrenmatt bedeutendste Schweizer Schriftsteller dieses Jahrhunderts, hat nicht nur die politischen Parabeln "Andorra" und "Biedermann und die Brandstifter" geschrieben, sondern auch eine Reihe von Stücken, die sich vor allem mit der Widersprüchlichkeit von zwischen-menschlichen Beziehungen befassen. Dazu gehört "Biografie. Ein Spiel", das sicherlich prägnanteste Werk aus dieser Reihe. Am kommenden Sonnabend, 13. März, um 19.30 Uhr erlebt es seine Premiere im Theater Lübeck - in den Kammerspielen.

In diesem unverändert aktuellen Schauspiel von 1968 geht es um den Gedanken, mit dem sich jeder Mensch schon einmal abmühte:"Hätte ich mich in der Situation damals anders entschieden, wäre mein Leben anders, sicherlich sogar bessser verlaufen...". Doch was in Wirklichkeit ein Traum bleibt, hat Max Frisch einmal in szenisches Spiel umgesetzt - und eröffnet Möglichkeiten.

Ein Leben ohne Antoinette

Der Verhaltensforscher Hanner Kürmann erhält bei Frisch die Chance, seine Biografie zu ändern und sein Leben sozusagen "rückgängig" zu machen. Sein größter Wunsch ist dabei: eine Biografie ohne Antoinette. Denn die Ehe mit seiner zweiten Frau stellt sich für ihn als negativer Wendepunkt in seinem Leben dar. Hätte er sie damals nach dem ersten gemeinsamen Abend nach Hause geschickt oder wäre er am nächsten Morgen zur Arbeit und nicht mit ihr aufs Land gefahren - dann hätte er sie letztlich nicht geheiratet, und es wären ihm, so meint er, fatale Irrtümer erspart geblieben.

Eine einmalige Chance

Hannes Kürmann bekommt also die einmalige Chance, sein Leben neu zu leben. Und er ist fest davon überzeugt:Wenn er sich nur ein einziges Mal anders verhält, dann... Aber schafft er es, sich von seinem bereits gelebten Leben zu trennen?Kann er sich wirklich befreien aus dem sozialen und seelischen Gefängnis, von all den Zwängen, die das Individuum im bürgerlichen Leben meistens so stark umklammert halten?

Diese Rolle ist eine neue Herausforderung für Sven Simon. Mit ihm sind Elke Wollmann als seine Frau Antoinette, Miriam Gruden (Registrator-Sie), Volkmar Bendig (Professor Hornacher), Jörg-Heinrich Benthien (Registrator-Er) und Hartmut Lange (Arzt) dabei.

Regie in den Kammerspielen führt Peter Hailer. Nach "Piaf" und "Die Jungens nebenan" ist das seine dritte Lübecker Inszenierung. Diesmal stammt die Ausstattung von Mayke Hegger, und Wolfgang Siuda zeichnet verantwortlich für die Musik.

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