Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 24. April 2019

Ausgabe vom 09. März 1999

Plünderung kein Kavaliersdelikt

Vermutlich waren im Waldhusener Forst Schatzsucher unterwegs

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Martin Tank vom Bereich Archäologie demonstriert die Suche mit einer Metallsonde. Derweil begutachtet der stellvertretende Bereichsleiter Alfred Falk das Loch am Hügelgrab (kl. Bild); Fotos (2): T. Wewer

Der Bereich Archäologie der Hansestadt Lübeck vermutet, daß im Waldhusener Forst bisher unbekannte Täter Grabbeigaben aus einem Hügelgrab aus der Bronzezeit entwendet haben. Bereichsleiter Dr. Manfred Gläser präsentierte mit Mitarbeitern am vergangenen Mittwoch Spuren einer unerlaubten Grabung, die bereits vor einigen Wochen zufällig entdeckt wurden.

Den Vorstorbenen wurden häufig Waffen, Gefäße und sogenannte Fibeln, die die Kleidung zusammenhielten ("Sicherheitsnadeln") und die zum Teil tellergroß waren, mit in das Grab gelegt. Diese Gegenstände waren aus Bronze, Eisen oder sogar Gold. Da das betreffende Hügelgrab aus der Bronzezeit stammt, dürfte es sich auch um bronzene Beigaben gehandelt haben. Funde dieser Art fallen grundsätzlich unter das Denkmalschutzgesetz; wer sie sich unerlaubt aneignet, riskiert ein Bußgeld, das bis zu 500 000 Mark betragen kann.

Der oder die Täter haben vermutlich mit Hilfe einer Metallsonde die Gegenstände im Boden aufgespürt. Diese Sonden können teilweise Gegenstände erfassen, die über einen Meter tief vergraben sind. Der Bereich bittet - gemeinsam mit der Polizei - die Bürgerinnen und Bürger, wachsam zu sein und Personen, die mit solchen Metallsonden im Wald unterwegs sind, anzuzeigen.

Der materielle Schaden kann nicht beziffert werden, weil bisher unklar ist, ob überhaupt etwas gestohlen wurde und wenn, wie wertvoll es - aus archäologischer Sicht - ist. Beträchtlich, so Gläser, sei aber der wissenschaftliche Schaden, der durch die Grabung entstanden ist. Dabei wurden nämlich die Schichtzusammenhänge des Bodens zerstört. Diese geben den Archäologen wertvolle Hinweise auf die Besiedelung und das Wohnen und Arbeiten unserer Vorfahren.

Die etwa 80 Grabhügel im Waldhusener Forst, die Teil des 1995 eingerichteten Archäologischen Wanderweges sind, stehen unter Schutz und dürfen nicht beschädigt werden.

Im Waldhusener Forst ist dies bisher der zweite Fall von vermuteter Grabräuberei. Doch auf

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