Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 19. August 2019

Ausgabe vom 09. März 1999

Die Natur mit allen Sinnen wahrnehmen

Sieben Lübecker Grundschulen bekommen Naturerlebniskisten von der Hansestadt Lübeck

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Neugierig scharen sich die Kinder der 4b um Daniel und Marian, die Augenbinden aus der Kiste hervorholen; Foto: C. Przywara

Vielleicht eine Strickleiter? Eine Schaufel? Oder Ferngläser? Klassenlehrerin Eva-Maria Zarnack macht es spannend:Sie läßt die Kinder der Klasse 4b raten, was sich denn wohl in der großen Kiste befindet, die der Bereichsleiter Naturschutz Frank-Dieter Lammert mitgebracht hat. Ein Stück nach dem anderen holen die Kinder aus der Kiste. Neugierig recken sie die Hälse und überlegen dann, was sie wohl mit der Sisalwäscheleine oder den Augenklappen anstellen können.

Schließlich haben sie eine stolze Sammlung von Schülermaterialien zusammen, zum Beispiel Seile, Spaten und Becherlupen für Erkundungen in der Natur. Computerspiele, Fernsehen und eine durchorganisierte Freizeit - viele Kinder haben mittlerweile verlernt, in der Natur zu spielen und ihre Umgebung auf diese Weise kennenzulernen. Deshalb stattet der städtische Bereich Lübecker Schulen mit sogenannten Naturerlebniskisten aus. Die Paul-Gerhardt-Schule bekam am Freitag die erste, sechs weitere Schulen werden ebenfalls eine bekommen. Die Kisten werden als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Viele nützliche Tips

Weitere Gegenstände, die sich in der Kiste befinden sind beispielsweise Eimer und Wannen, Kescher und kleine Bestimmungsbücher, die für die Erkundung von Gewässern als Lebensraum genutzt werden sollen. Sisalwäscheleine und Augenmasken sind hilfreich beim Ertasten von Natur. Diese Materialsammlung wird ergänzt durch eine Infomappe. Sie enthält zahlreiche nützliche Tips zur Förderung der Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder. Außerdem enthält die Mappe spezielle Informationen zu den Naturerlebnisräumen "Moislinger Aue und Krähenwald" und "Fackenburger Landgraben" sowie eine Liste von Ansprechpartnern.

Naturerleben wird mit den jetzt wieder steigenden Außentemperaturen angenehmer. Wenn Tiere und Pflanzen aus der Winterruhe erwachen, gibt es in den Naturerlebnisräumen viel zu beobachten und zu erleben - die Naturer-lebniskisten mit Materialien für Erkundungen in der Natur kommen also zur rechten Zeit.

Eva-Maria Zarnack will gleich nach den Osterferien mit ihren Schülern den Naturerlebnisraum Landgraben erkunden und dabei das Inventar der Naturerlebniskiste nutzen.

Naturerleben bedeutet ein Wahrnehmen mit allen Sinnen: Das Hören eines plätschernden und glucksenden Baches oder des Frühlingsgezwitschers von Vögeln, das Riechen frischer Erde nach einem warmen Regen; später im Jahr dann das Beobachten einer Spinne beim Netzbau oder das Träumen, während man auf einer Wiese liegt. Oder barfuß durch einen Bach laufen ...

Solche sinnlichen Erfahrungen sind für die kindliche Entwicklung sehr wichtig. Außerdem werden beim Aufenthalt in der Natur auch körperliche Fertigkeiten geschult, denn zum Klettern, Balancieren, Schaukeln und Barfußlaufen laden die Naturerlebnisräume geradezu ein.

Naturerlebnisse sind aber auch Grundlage für einen schonenden Umgang mit der Natur. Die Vorteile einer Naturerlebniserziehung , wie Schulung der Sinne, Schaffung einer emotionalen Grundlage für Natur- und Umweltbewußtsein, Förderung der psychosozialen Entwicklung liegen auf der Hand.

Eltern und Erzieher und Erzieherinnen und insbesondere Schulen sind daher aufgefordert, neue Wege zu beschreiten.

Die Schulen im Umfeld der beiden neuen Naturerlebnisräume haben sich an den Planungen beteiligt und Interesse gezeigt, das Gelände auch innerhalb des Unterrichts zu nutzen.

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