Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Juli 2018

Ausgabe vom 02. Dezember 1997

Ob sich die Fische im Wasser küssen?

Mit dem "kleinen Hai" geht das Unterwasser-Marionetten-Theater in die neue Spielzeit

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Ein Herz und eine Seele: Der kleine Hai mit Krebs Harry; Foto: B. Waffek

Mit dem großen Hai ist nicht zu spaßen. Schlecht gelaunt sieht er aus, heruntergezogene Mundwinkel, Bartstoppeln, stechender Blick. Das Ungetüm besteht fast nur aus Kopf und Flossen. Nicht einmal seine Artgenossen sind vor ihm sicher. Ganz anders der kleine Hai: Mit seinem verwegenen
Charme und der freundlichen Ausstrahlung erobert er die Herzen im Sturm. Und dann ist da noch Krebs Harry. Harry hat mit einem gezielten Kniff den kleinen Hai vor dem großen gerettet. Was könnte eine Freundschaft besser besiegeln!

Der junge Russe Anton Kondratjew hat dieses Stück geschrieben, das von Freiheit und Gefangenschaft, von Freund- und Feindschaft handelt. Seine Auftraggeber: Das Unterwasser-Marionetten-Theater. Am 6. Dezember hat das Stück Premiere. Es ist die erste Aufführung nach der Herbsttournee von Wolf Malten und Simone Frömming. Zwölf Leute arbeiten an dieser Produktion, darunter die beiden Kölner Puppenbauer Anette und Hans Dieter Flerlage. Sie haben Käpten Blaubär und die WDR - Maus kreiert.

Licht- und Klanggemälde

Für das Spiel unter Wasser sind Sonderanfertigungen nötig: Schwere Puppen mit starken Drahtseilen. Weder das Gewicht noch die Seile sieht man. "Wir schaffen Licht- und Klanggemälde," erklärt Wolf Malten das Theaterkonzept. "Der Zuschauer soll das Gefühl haben, in eine Phantasiewelt abzutauchen." Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Die beiden Theaterleute, die ihre Puppen in einem 2,20 mal 1,60 Meter großen Aquarium spielen lassen, zaubern eine Unterwasseratmosphäre, die alle Sinne der Zuschauer umfaßt. Die Musik, von Wolf Malten komponiert, paßt exakt zu den Bildern, den Fischen sind bestimmte Melodien zugeordnet. "Das genaue timing treibt mich manchmal an den Rand der Verzweiflung," gesteht der Allrounder. Allerdings garantiere es ihnen das routinierte Spiel während der Tourneen.

Zweimal im Jahr gehen Wolf Malten und Simone Frömming auf Reisen - mit vier Tonnen Gepäck. "Manche Theater haben schon einen Rückzieher gemacht, als sie das Gewicht des Aquariums erfahren haben," so Malten. "Wenn der Theaterboden schon etwas morsch ist, trägt der das Gewicht nicht."

Mit vier Tonnen auf Tournee

120 Aufführungen waren es dennoch, die das Erfolgsduo Malten/Frömming innerhalb der letzten zwei Tourneemonate bestritten hat. Rund
20 000 Zuschauer in 18 Städten haben die beiden Lübecker gesehen. "Begeisterung überall," freut sich Malten über die Resonanz.

Die Hansestadt stellt lediglich die Räume zur Verfügung, ansonsten trägt sich das Theater, das jetzt in sein fünftes Jahr geht, selbst. Im Mai ist das Unterwasser-Marionetten-Theater nach Toronto eingeladen, ein Jahr darauf geht es nach Kanada zum Internationalen Puppenfestival. "Aber am liebsten spielen wir zuhause in Lübeck," sagt Malten und: "Wir haben so nette Nachbarn - das Naturhistorische Museum. Von dort holen wir uns auch manchmal Tips in Sachen Fische," grinst der Hobbytaucher, der für sein Hobby allerdings kaum noch Zeit findet.

Premiere: 6. Dezember, 15 Uhr, Mühlendamm 1-3, Karten: 477514

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