Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 19. August 2019

Ausgabe vom 02. Dezember 1997

Bettelmönche

Scharbausaal muß dringend renoviert werden

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Sanierungsbedürftiges Kleinod: Der historische Scharbausaal; Foto: Hochbauamt

Der Thomas-Mann-Preis wurde hier verliehen und der Buxtehudepreis und so manche Berühmtheit hat in den alt-ehrwürdigen Gemäuern geistreiche Debatten geführt und in historischen Quellen gestöbert: Dem Scharbausaal - Schmuckstück der Lübecker Stadtbi-bliothek - droht der Anobienbefall. Anobien sind häßliche kleine Ungeheuer, die Bücher fressen. Sie gedeihen vor allem in feuchter Luft und in alten Gemäuern. Dr. Jörg Fligge hat einen Hilferuf losgelassen, "denn," so der Bibliotheksleiter, "mit der Budgetierung ist das nicht zu machen." Sponsoren sind also gesucht, um die rund 500 000 Mark teuren Umbaumaßnahmen durchzuführen. Die Bibliothek hat eine Broschüre verfaßt, die über die Bedeutung des Scharbausaals Aufschluß gibt: "Der Scharbausaal als frühe städtische Saalbibliothek ist ein Unikat im europäischen Raum, eine baugeschichtliche Rarität, die für spätere Generationen unter allen Umständen erhalten werden muß," so Fligge. Früher war hier der Schlafsaal der Bettelmönche, das Dormitorium.

Das Hochbauamt hat die Einzelposten aufgeschlüsselt, um möglichen Sponsoren einen Einblick in die allernötigsten baulichen Schritte und deren Kosten zu verschaffen. Eine erste Resonanz gab es bereits. Die Poseidon Stiftung spendete 10 000 Mark für die Restaurierung von Portraitgemälden. Wolfgang Pötschke von der Sparkasse zu Lübeck überreichte einen Scheck über 28 000 Mark für die Beleuchtung des Scharbausaales und Waltraud Klepsch vom Chor der Singeleiter hat unter ihren Sangesbrüdern und -schwestern gesammelt. 2 500 Mark kamen heraus, die für die Restaurierung der georgischen Bücher bestimmt sind. Der größte Posten, nämlich rund 75 000 Mark für die dringend benötigte Heizanlage steht allerdings noch aus.

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