Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. April 2019

Ausgabe vom 11. Mai 1999

Schritt in die Zukunft

Bauarbeiten für Expo-Siedlung haben begonnen

Die Bauarbeiten für die ökologische Wohnsiedlung Flintenbreite haben vergangene Woche begonnen. Auf einer Pressekonferenz am Freitag stellten Architekten und Planer, die sich zur "infranova Bauentwicklungsgesellschaft" zusammengeschlossen haben, das Projekt vor. Die Siedlung ist als weltweites Projekt der Expo 2000 in Hannover registriert und zählt damit zu den 20 Vorhaben, die Schleswig-Holstein bei der Weltausstellung im kommenden Jahr präsentiert.

Mit der ökologischen Wohnsiedlung entsteht im Norden der Stadt an der Paul-Gerhard-Straße ein reizvoll gelegener, stadtnaher Wohn- und Lebensraum für rund 350 Menschen, die gemeinsam und verantwortungsbewußt im Einklang mit der Natur leben wollen. Auf dem 5,6 Hektar großen Gelände werden 45 Reihen- und zwölf Doppelhäuser sowie 54 Eigentums- und Mietwohnungen gebaut. Das Investitionsvolumen beträgt 40 Millionen Mark.

Die Siedlung ist zukunftsweisend für das Bauen und Wohnen im 21. Jahrhundert. Es werden nur Baustoffe verwendet, die der Gesundheit nicht schaden. Ein integriertes Energie-, Abwasser- und Abfallsystem schließt den natürlichen Kreislauf, nichts wird mehr vergeudet.

Ein trinkwassersparendes Vakuum-Toilettensystem führt die Fäkalien einer Gärungsanlage zu. Das anfallende Biogas wird zum Heizen genutzt. Die
Energieversorgung wird sichergestellt durch ein mit Bio- oder Erdgas betriebenes Blockheizkraftwerk, eine große Solaranlage sowie einen Brennwertkessel zur Abdeckung der Spitzenlast. "Wir streben dabei an, von externer
Energiezufuhr so weit wie möglich unabhängig zu bleiben", erläutert Di-
plomingenieur Eckart Warnemünde von der "infranova". Vermieden werden sollen auch Anschluß- und Abwassergebühren für die Kanalisation.

In der Expo-Siedlung soll ökologischer und sozialer Gemeinsinn gelebt werden. So sind alle Eigentümer an der Betreibergesellschaft der Siedlung beteiligt. Gemeinsam und eigenverantwortlich werden so Beschlüsse gefaßt, die das Wohngebiet betreffen - wie zum Beispiel die Höhe der verbrauchsabhängigen Kosten.

Weltweites Interesse

Ein Gemeinschaftshaus dient dabei als Kommunikations- und Treffpunkt der Bewohnerinnen und Bewohner. Zugleich beherbergt es die Siedlungstechnik. Dazu gehört ein siedlungsinternes Kommunikations- und Datennetz, das beispielsweise die Ver- und Entsorgung steuert und die Verbrauchskostenkontrolle erleichtert.

Das "infranova"-Konzept wurde von Unternehmen und Institutionen aus der Region Lübeck entwickelt. Es ist bereits auf internationales Interesse gestoßen. Architekt Rüdiger Fleck: "Wir haben schon Anfragen aus China und Norwegen."

Am Freitag wurde auch eine Info-Box auf dem Baugelände eröffnet. Hier kann man sich ab sofort von montags bis sonnabends über die Lübecker Expo-Siedlung informieren - jeweils von
10 bis 19 Uhr.

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