Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 20. August 2019

Ausgabe vom 11. Mai 1999

Der Laie ist oft ein guter Partner

(Teil 2): Ich werde in den nächsten Wochen einen Bericht über die Ombudstätigkeiten im Jahr 1998 geben. Vorweggeschickt: Ich bin der Auffassung, daß sich die Rubrik "Ombudsmann" bewährt hat. Ich habe im Jahre 1998 insgesamt 510 Eingaben, Beschwerden und Anregungen erhalten. Das ist fast eine Verdoppelung gegenüber den Jahren zuvor.

Der weitaus größte Teil der Eingaben befaßt sich mit der Sozialhilfegewährung. Aber es gibt auch andere Punkte, die ich für wichtig halte.

Bestimmte Bereiche der Verwaltung haben die Angewohnheit, den Eingang von Schriftstücken, zum Beispiel Anträge oder Anfragen, nicht zu bestätigen. Die Bürgerinnen und Bürger wissen also nicht, ob dieser Brief die zuständige Stelle erreicht hat oder nicht. Ich verstehe dieses Verhalten nicht.

Meistens wird dann von den Kolleginnen und Kollegen vorgetragen, sie hätten derartig viel Arbeit, daß sie eine solche Zwischennachricht nicht erteilen können. Abgesehen davon, daß die allgemeine Geschäftsanweisung der Hansestadt Lübeck die Erteilung einer Zwischennachricht und einer Eingangsbestätigung vorsieht, ist das Verhalten dieser Kolleginnen und Kollegen schlichtweg unhöflich. Keine Bürgerin und kein Bürger hat den Anspruch, daß in ihrer Angelegenheit eine Entscheidung "stehenden Fusses" getroffen wird. Sie haben aber einen Anspruch darauf, daß der Eingang eines Briefes bestätigt wird und daß mitgeteilt wird, daß die Beantwortung eventuell etwas länger dauert. Für mich ist das keine juristische Frage, sondern vielmehr eine Frage des Stils. Es gibt daher gegen diese selbstverständliche Forderung auch keinen überzeugenden Einwand. Und der größte Teil der Kolleginnen und Kollegen handelt trotz Arbeitsbelastung ja auch so.

Erfreulich sind die Eingaben, die sich mit Anregungen befassen. Hier wird meine Auffassung bestätigt, daß der "Laie" in sehr vielen Fällen ein gu-ter Partner oder eine gute Partnerin des Fachmannes ist. Denn es ist nicht so, daß die "kommunale Fachlichkeit" abgehoben abblockt, sondern sich sehr wohl mit diesen Argumenten auseinandersetzt. Den Vorwurf, die Verwaltung kümmere sich nicht um die Argumente von Bürgerinnen und Bürgern in einzelnen Sachfragen, halte ich für unbegründet.

In den meisten Fällen, in denen dieser Vorwurf erhoben wird, hat die Verwaltung von den Anregungen der Bürgerinnen und Bürger bisher gar nichts erfahren, vielmehr haben sie diese für sich behalten.

Durch die Einrichtung der "Ombudsstelle" ist hier eine Ansprechstelle geschaffen worden, die das Verhältnis zwischen Verwaltung und Bürgerinnen und Bürgern erheblich verbessern wird beziehungsweise schon erheblich verbessert hat.

Fortsetzung folgt

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de