Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 17. Juni 2019

Ausgabe vom 18. Mai 1999

Die Fachleute sind begeistert

19jähriger Gymnasiast stellt Entwürfe für die Schließung einer Baulücke vor

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Tilman Turpin mit seinem an der Satzung orientierten Entwurf; Foto: T. Wewer

Der 19jährige Gymnasiast Tilman Turpin hat selbst Fachleute zum Staunen gebracht. Der Schüler beschäftigte sich in einer sogenannten Facharbeit im Rahmen des Kunstunterrichtes mit der Aufgabe , eine Baulücke in der Straße An der Untertrave zu schließen. Dazu erarbeitete Tilman zwei Lösungen: einen sogenannten freien Entwurf, in dem er seine persönlichen Vorstellungen weitgehend umgesetzt hat, und einen zweiten, der sich überwiegend an den Gestaltungsrichtlinien der Hansestadt Lübeck orientiert.

Nachdem Tilman dafür bereits in der Schule die Bestnote erhielt, wollte er wissen, wie die städtischen Fachleute - Sanierungsexperten und Stadtbildpfleger - seine Entwürfe beurteilen. Vor einigen Tagen stellte er seine Ausarbeitung im Fachbereich Stadtplanung zur Diskussion vor. "Diese Arbeit braucht sich nicht hinter den Ausarbeitungen von Architekturstudenten zu verstecken", lobte Axel Cantstetter vom Bereich Stadtsanierung. Stadtbildpfleger Hans-Achim Körber steigerte diese Anerkennung noch: Insbesondere der freie Entwurf besteche dadurch, daß "ein formales Thema konsequent durchgehalten worden ist." Mit anderen Worten: Körber schloß nicht aus, daß dieser Entwurf - wäre er zur Baugenehmigung eingereicht worden - tatsächlich hätte verwirklicht werden können. Eine größere Bestätigung für seine Arbeit könne er sich kaum vorstellen, freute sich Turpin, der rund zwölf Monate mit dieser Aufgabe beschäftigt war.

"Wenn man immer nur so vor sich hin zeichnet, ohne konkrete Vorgaben oder Auflagen zu haben, macht das irgendwann keinen Spaß mehr", erklärt Tilman sein Interesse an einer praxis[1orientierten Ausarbeitung. Weil er ein besonderes Interesse an Architektur hat, lag es nahe, sich thematisch mit diesem Bereich zu befassen.

Der Zufall kam dem Schüler zur Hilfe: Seine Kunstlehrerin am Gymnasium am Mühlenberg in Bad Schwartau, Angelika Kallen, fährt auf ihrem Weg zur Schule täglich an der Baulücke vorbei - also schlug sie ihm vor, diese Lücke "zu schließen".

"Wir freuen uns natürlich, wenn man sich bereits in der Schule mit dem Thema Architektur beschäftigt", erklärt Axel Cantstetter die spontane Bereitschaft der Fachleute, mit Tilman über seine Ausarbeitung zu sprechen. Soweit möglich, hatten die städtischen Mitarbeiter den Schüler mit Informationen und Unterlagen versorgt, deshalb waren auch sie gespannt, was der 19jährige daraus entwickelt hat.

So gut und überzeugend beide Entwürfe für die Fachleute gewesen sind, eine Chance auf Umsetzung haben sie nicht. Denn mittlerweile haben die Grundstücksbesitzer selbst Bauanträge eingereicht, die zwischenzeitlich genehmigt wurden. So wird die Baulücke - sehr zur Freude der Stadtverwaltung - endlich geschlossen. Die Pläne der Architekten sehen allerdings ganz anders aus als die Entwürfe des begabten Schülers.]

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