Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 21. September 2019

Ausgabe vom 18. Mai 1999

Jahrelang wurde auf den Terror nicht reagiert

Zur Anzeige "Nein zum Krieg ...".SZ vom 20. April

Der Anzeigenaufruf gegen die Nato-Luftangriffe im ehemaligen Jugoslawien und die Forderung eines sofortigen Waffenstillstandes ist ein (ge)wichtiges Mittel, welches zu einer Demokratie gehört und eine Meinungsbildung fördert.

Jedoch haben die meisten Bewohner des Kosovo (nicht erst) seit 1989 keinerlei Möglichkeiten, Meinungsbildung zu betreiben oder zu fördern. Milosevic betrieb in diesem Jahrzehnt nicht nur die kulturelle Auslöschung sogenannter ethnischer Minderheiten, sondern auch die praktische Vernichtung der nicht-serbischen Bewohner des Balkans.

Diese Vernichtung sucht ihre Rechtfertigung in der Ideologie der regierenden Serben, so wie der Holocaust von den Deutschen durch die Ideologie des Rassenwahns der Nazis gerechtfertigt werden sollte.

Viele Jahre wurde seitens des westlichen Bündnisses auf diesen Terror nicht reagiert, und so hat sich unsere Gesellschaft an zahllosen Massengräbern in und um das Kosovo mitschuldig gemacht.

Der Nazi-Horror in Deutschland konnte 1945 nur mit Waffengewalt beendet werden - leider auch zu Lasten unschuldiger Zivilisten. Damals sah die Welt eine Notwendigkeit für die Bomben - die Forderung nach einer "politischen Lösung" war damals - und ist es heute - angesichts tausender Toter lächerlich.

Jeder der Unterzeichner, darunter zahlreiche Lübecker Sozialdemokraten und linksextreme "Antifaschisten", sollte sein Gewissen nicht vor der Realität verschließen, auch wenn dies dem persönlichen ideologischen Gusto entgegenkommt - eine Tatsache, die in Deutschland eine gewisse Tradition hat.
Jean Pierre Hintze

Lübeck

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