Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. April 2019

Ausgabe vom 18. Mai 1999

Lübeck: Zugänglich für behinderte Frauen und Mädchen?

Von: Magdalene Ossege, Mitarbeiterin bei mixed pickles

Bündnis 90 / Die Grünen

Zunächst ein kurzer Ausflug in eine verkehrte Welt: Sie sind eine Frau ohne Behinderung und besuchen Lübeck zum ersten Mal. Beim Bummeln durch diese schöne Stadt beschließen Sie, einen Stadtführer zu kaufen, doch den gibt es nur in der Ihnen fremden Blindenschrift. Als Sie später in einem der gemütlichen Cafés Kaffee und Kuchen bestellen möchten, versteht Sie die Serviererin nicht, weil sie nur die Gebärdensprache spricht. Entmutigt reisen Sie nach dem Versuch, im Ratskeller noch einen Lübecker Rotspon zu genießen, ab, denn dieser ist über den Aufzug nur für RollstuhlfahrerInnen erreichbar. Der Treppenzugang ist zur Zeit gesperrt ...

Barrieren beseitigen

Barrieren gehören zum Alltag von Menschen mit Behinderungen. Von Ausgrenzungen und Diskriminierung in vielfältigen Formen sind auch die zirka 12 400 in Lübeck lebenden behinderten Mädchen und Frauen besonders stark betroffen - wenig barrierefreie Freizeiteinrichtungen, geringe Mobilität, bauliche und andere Hürden, die die Lebensqualität mindern.

Daher hat sich mixed pickles, der Verein für Mädchen und Frauen mit und ohne Behinderungen, zum Ziel gesetzt, zur Verbesserung ihrer Lebenssituation beizutragen. Im Mai 1997 hat mixed pickles als dreijähriges Modellprojekt des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Frauen, Jugend, Wohnungs- und Städtebau seine Arbeit in den Räumen im Werkhof aufgenommen. In den vergangenen zwei Jahren konnten und können auch weiterhin Mädchen und Frauen die Angebote wahrnehmen. Zu diesen gehören Gruppen für Mädchen, Frauen und Angehörige, Kurse und Seminare für Mädchen und Frauen mit und ohne Behinderungen, Fortbildungsangebote für Multiplikatorinnen und Beratung, die auch Fachberatung ein-schließt. Neben dem Bereitstellen dieser Möglichkeiten sind die Mitarbeiterinnen auch in Arbeitskreisen und politischen Gremien Lübecks vertreten, um dort für die Lebensbedingungen von behinderten Mädchen und Frauen zu sensibilisieren und gemeinsam an der Verbesserung ihrer Le-bensumstände zu arbeiten. Damit auch ab dem Jahr 2000 die Arbeit so fortgeführt werden kann, braucht der Verein die Unterstützung durch kommunale Mittel, denn mit Ende des Jahres werden die Landesmittel nur noch für die landesweite Arbeit zur Verfügung gestellt, nicht aber für die so wichtige Arbeit vor Ort.

V.i.S.d.P.: Antje Jansen

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