Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 17. Juni 2019

Ausgabe vom 01. Juni 1999

Nachfrage übersteigt Angebot

Schulkindbetreuung: Bedarf wird 1999/2000 systematisch erfaßt

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Lukas, Paul, Gerrit und Nehle vom Hort in der Domschule decken den Mittags-tisch. Hortplätze sind derzeit rar in Lübeck; Foto: C. Przywara

"In den vergangenen zehn Jahren lag der Schwerpunkt unserer Arbeit darin, den Rechtsanspruch auf Kindergartenplätze für alle Drei- bis Sechs- jährigen zu erfüllen. Das ist nun abgeschlossen", erklärt Jugendhilfeplanerin Petra Albrecht. "Nun haben wir endlich Luft für den Schulkindbereich, der uns auf den Nägeln brennt."

Durch zahlreiche Anfragen ist der Bereich Kindertagesbetreuung darauf aufmerksam geworden, daß inzwischen Engpässe bei der Schulkindbetreuung entstanden sind. Daher wird der Bereich zum kommenden Schuljahr durch Fragebogenaktionen den Bedarf nach den Angeboten in der Schulkindbetreuung systematisch erfassen, um diese gegebenenfalls zu erweitern, ohne ein Überangebot zu schaffen.

Die Ansprüche sind gestiegen

Heute gibt es mit 10 359 Grundschülern nur wenig mehr als vor zehn Jahren (9050), es gibt seitdem die Betreute Grundschule mit 450 Plätzen in Lübeck, und auch die Hortplätze wurden seit 1989 von 615 auf 950 erweitert. Dennoch übersteigt die Nachfrage das Angebot. Die Ursachen für dieses Phänomen, so Petra Albrecht, liegen vor allem darin, daß durch den Rechtsanspruch im Kindergartenbereich auch die Ansprüche der Eltern im Schulkindbereich gestiegen sind. "Eltern, denen der Rechtsanspruch ermöglicht hat, wieder in den Beruf einzusteigen, sind nicht bereit, wieder auszusteigen, wenn ihr Kind das Schulkindalter erreicht hat", vermutet Petra Albrecht. Zudem gebe es immer mehr Alleinerziehende, für die die Betreuung ihrer Sprößlinge lebensnotwendig sei.

Derzeit kristallisiere sich heraus, daß es Engpässe in St. Jürgen und der Innenstadt gebe. Auf den Engpaß in der Kalandschule werde man kurzfristig reagieren. Schon zum Schuljahr 1999/2000 wird die Betreute Grundschule von zwei auf drei Gruppen erweitert. "Die 18 Betreuten Grundschulen in Lübeck fangen sicherlich einiges auf", meint Annegret Razetti, Bereichsleiterin Schulförderung und zuständig für die Betreute Grundschule. "Sie sind aber beispielsweise keine Alternative für eine ganztägig arbeitende alleinerziehende Mutter."

Die Betreute Grundschule bietet durch Kräfte, die eine pädagogische Kurzausbildung erhalten haben, Betreuung täglich bis 13 Uhr, an manchen Schulen auch bis 14 Uhr, an - für
120 Mark monatlich. Hortplätze bieten Betreuung durch pädagogische Fachkräfte bis 16.30 Uhr. Neben Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung wird den Schulkindern dort ein vielseitiges Angebot in Form von Projekt- und Arbeitsgruppen - oder Ferienbetreuung mit besonderen Angeboten - gemacht. Ein Hortplatz kostet derzeit maximal
280 Mark, allerdings besteht die Möglichkeit, eine Ermäßigung zu beantragen. Die Betreuung durch Tagesmütter ist eine weitere Unterbringungsmöglichkeit.

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