Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 19. April 2019

Ausgabe vom 27. Juli 1999

Gemeinsam über Lübecks Zukunft streiten

Die koordinierende Diskursgruppe erarbeitet die wesentlichen Inhalte des Leitbilds - Bürgerschaft beschließt

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Der freundliche Umgangston untereinander täuscht nicht darüber hinweg, daß die einzelnen Positionen ziemlich weit auseinanderliegen - noch. Dabei ist die sogenannte koordinierende Diskursgruppe ein wesentliches Element in der Entwicklung eines Leitbildes für Lübeck. Mitte Juli hat sie sich bereits zum dritten Mal getroffen und erste Ergebnisse aus anderen Arbeitsgruppen zusammengetragen und diskutiert. "Die Gruppe für Diskurs und Koordination fällt aber keine Entscheidungen, sondern soll aktiv über die Zukunft Lübecks streiten, um sich damit näher kommen zu können", umreißt Leitbild-Moderator Dr. Frank Claus die Aufgabe. Deshalb wurden die 15 Vertreterinnen und Vertreter auch danach ausgewählt, daß sie stellvertretend für konfliktträchtige Themen stehen - und nicht nach paritätischen Gesichtspunkten.

1995 hat die Hansestadt Lübeck die Charta von Aalborg unterzeichnet. Damit hat sie sich verpflichtet, ein Leitbild aufzustellen "für eine zukunftsbeständige Kommune" - unter Beteiligung aller Bereiche der örtlichen Gemeinschaft. Im November 1998 wurde Dr. Frank Claus vom Dortmunder Institut Kommunikation & Umweltplanung (iku) beauftragt, den Leitbild-Prozeß zu moderieren. Im April dieses Jahres wiederum wurde der Verfahrensweg festgelegt. Danach soll im Mai 2000 der Bürgerschaft ein Beschlußvorschlag für ein Lübeck-Leitbild vorgelegt werden. Neben vielen "Bausteinen" im Prozeß der Leitbild-Entwicklung (siehe unten) kommt dabei der Diskursgruppe - unter Leitung von Dr. Claus - eine besondere Bedeutung zu.

In dieser Gruppe sollen die unterschiedlichen Ansichten, die beispielsweise in den Arbeitsgruppen zutage getreten sind oder sich bei den sogenannten "selbstorganisierten Prozeßbausteinen" herauskristallisiert haben, angenähert werden. Aus der Diskus-
sion über die unterschiedlichen Ansinnen soll die 15köpfige Gruppe wiederum für das Plenum - eine Zusammenkunft mit Vertreterinnen und Vertretern der in Lübeck vorhandenen gesellschaftlich relevanten Vereine, Verbände und Institutionen - Vorschläge machen für wesentliche Elemente, die das Leitbild enthalten sollte. Im Plenum wird dann weiter darüber beraten; dadurch sollen Leitbildthemen weiter eingeengt und schließlich ein Entwurf für das Leitbild skizziert werden. Das Plenum wird im Frühjahr nächsten Jahres auch die Vereinbarung von Leitbild und Handlungsprogramm treffen, was dann wiederum von der Bürgerschaft formal beschlossen werden muß.

Das Positive an der Diskursgruppe sei vor allem, daß man trotz vieler unterschiedlicher Ansichten im Detail miteinander ins Gespräch komme und sich austausche, wurde beim dritten Treffen mehrfach betont. Ansonsten scheint aber noch ein weiter Weg vor der Diskursgruppe zu liegen, wenn sie dem selbstgesteckten Anspruch gerecht werden will. Das ist allen Beteiligten bewußt, denn bereits im Vorfeld seiner Tätigkeit hatte Leitbild-Moderator Claus in vielen Gesprächen herausgehört, daß es in Lübeck eine "ausgeprägte Polarisierung" gebe sowie "Defizite in der öffentlichen Streitkultur". Diese Dialogkultur könne durch den Leitbildprozeß "nachhaltig verbessert werden" - in diesem Punkt waren sich die Mitglieder der Diskursgruppe ebenfalls einig.

Weitere Informationen über den Leitbildprozeß gibt es im Internet:

www.luebeck-netzwerk.de/private/fs/aktuelles/wichtige themen/leitbild (Diskussionsforum vom Lübeck-Management)

www.kaufmannschaft.de (Ergebnisse einer Leitbild-Recherche der Kaufmannschaft, unter der Rubrik "Veröffentlichungen")

www.stadtzeitung.luebeck.de (laufende aktuelle Berichterstattung

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