Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 20. August 2019

Ausgabe vom 27. Juli 1999

Guter Rat

Unterhalt nach Düsseldorfer Tabelle

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Fall: M. verdient monatlich 1550 Mark netto. Seine geschiedene Ehefrau hat ihm eine Kopie der Düsseldorfer Tabelle vorgelegt, wonach er bei einem Einkommen bis 2400 Mark für die vierjährige Tochter monatlich 349 Mark Unterhalt zahlen soll. M. weiß nicht, wie er diese Summe unter Berücksichtigung seiner sonstigen finanziellen Aufwendungen finanzieren soll.

Antwort: Der Kindesunterhalt in Schleswig-Holstein wird grundsätzlich nach der für anwendbar erklärten sogenannten Düsseldorfer Tabelle ermittelt. In dieser Tabelle wird gestaffelt nach Einkommenshöhe und Kindesalter ein Betrag angegeben, der als Unterhalt verlangt werden kann.

Die schematische Anwendung der Düsseldorfer Tabelle führt allerdings oft zu unrichtigen Ergebnissen.

Grundsätzlich geht man nach der Tabelle davon aus, daß Unterhalt für einen Ehegatten und zwei unterhaltspflichtige Kindern gezahlt wird. Bei einer größeren oder geringeren Zahl Unterhaltsberechtigter können danach Zu- beziehungsweise Abschläge vorgenommen werden.

Auch ist zu klären, wer das Kindergeld erhält. Erhält zum Beispiel Frau F. 250 Mark Kindergeld, wird die Hälfte hiervon, also 125 Mark, auf den Kindesunterhalt angerechnet. Mithin müßte M. statt 349 Mark nur noch 349 Mark minus 125 Mark = 224 Mark zahlen.

Außerdem gibt es einen Mindestbetrag, den sogenannten "kleinen Selbstbehalt", den jeder Unterhaltsschuldner gegenüber minderjährigen Kindern behalten darf. In Schleswig-Holstein liegt dieser Betrag bei 1400 Mark. Im vorliegenden Fall könnte M. bei einem Einkommen von 1550 Mark also höchstens angehalten werden, 150 Mark Unterhalt zu zahlen, wobei dann auch noch zu prüfen wäre, ob wegen weiterer unterhaltsrechtlicher Belastungen, dieser Betrag nochmals reduziert werden kann.

Die Düsseldorfer Tabelle ist zum 1. Juli 1999 mit höheren Unterhaltsbeträgen geändert worden. Unterhaltsgläubiger sollten daher rechtzeitig ihre Forderungen geltend machen.

Rechtsanwalt A. Wübbolt

Was ist die

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