Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 19. August 2019

Ausgabe vom 03. August 1999

"Ein bedeutender Werbeträger"

Kiellegung für Nachbau eines Hanseschiffes - Chance für Arbeitslose

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Der Hauptspant der Kraweel (oben das Modell) ist gesetzt; Fotos: M. Langentepe

Als attraktiven Botschafter des Weltkulturerbes Hansestadt Lübeck und als reizvolle touristische Sehenswürdigkeit hat Stefan Müller den Nachbau eines Hanseschiffes aus dem 15. Jahrhundert bezeichnet, für den am vergangenen Sonnabend auf der nördlichen Wallhalbinsel die Kiellegung erfolgte. Vor zahlreichen Gästen erinnerte der Vorsitzende der Gesellschaft Weltkulturgut Hansestadt Lübeck daran, daß es Teile der "so oft kritisierten öffentlichen Verwaltung" waren, die dieses Projekt erst ermöglichten. Müller meinte damit das Arbeitsamt, das die Maßnahme allein im ersten Jahr mit über 2,5 Millionen Mark an Lohn- und Sachkosten fördert. Durch diese Gelder erhalten 59 arbeitslose Menschen, darunter 40 Jugendliche, zumindest vorübergehen eine Beschäftigung.

Aber auch die Verwaltung der Hansestadt ist mehrfach an dem Projekt beteiligt:Das Hafen- und Seemannsamt stellt den Bauplatz zur Verfügung, auf dem innerhalb der nächsten vier Jahre die sogenannte Kraweel entstehen wird. Und das Holz für das seetüchtige Schiff stammt aus lübschen Forsten.

"Armada gegen Arbeitslosigkeit"

Die Vorarbeiten bis zur Kiellegung, so etwas wie die Grundsteinlegung bei einem Haus, dauerten fast acht Jahre. Das lag unter anderem daran, daß bis heute keine Kraweel gefunden wurde, die als Vorlage hätte dienen können, und Baupläne damals nicht angefertigt wurden. Insofern wurde wissenschaftlich ermittelt, wie die Nachfolgerin jener legendären Kogge ausgesehen hat und wie sie konstruiert wurde. Der Schiffstyp Kraweel aber war es, der durch seine Größe und sein Ladevermögen erst die Macht und den Reichtum der Hanse und der Stadt Lübeck darstellte. Während Koggen bis zu 200 Tonnen Ladekapazität hatten, konnten ihre Nachfolger mehr als 400 Tonnen tragen.

Heide Moser, Ministerin für Arbeit, Soziales und Gesundheit des Landes Schleswig-Holstein, erinnerte als Historikerin noch einmal an eben diese Seefahrtsgeschichte, ehe sie angesichts von anderen Projekten, bei denen ebenfalls historische Schiffe nachgebaut werden, forderte: "Laßt uns eine Armada gegen die Arbeitslosigkeit bauen".

Auch der 1. Stellvertretende Stadtpräsident, Peter Sünnenwold (CDU), hob insbesondere die soziale Seite dieses Schiffsbaus hervor: Für die Jugendlichen sei das Projekt eine große Chance, sich später leichter ins Berufsleben eingliedern zu können. Da junge Leute ohne Ausbildungs- oder Arbeitsplatz Gefahr liefen, Schaden zu nehmen und ins soziale Elend zu stürzen, sei der Kraweel-Nachbau nicht nur ein bedeutender Werbeträger für Lübeck, sondern auch ein "Zeichen in die richtige Richtung."

Während der vierjährigen Bauzeit erhalten zumindest vorübergehend bis zu 100 Arbeitslose Beschäftigung. Die Baukosten belaufen sich auf rund sieben Millionen Mark.

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